Organisierte Kriminalität als Thema bei der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik

Täter sind oft gut vernetzt

Zu Gast in Fritzlar: Professor Dr. phil. Thomas Jäger (Mitte) mit Oberst a. D. Hans-Joachim Feih (Vorsitzender der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, Sektion Fritzlar, rechts) sowie Gast Dr. med. Klaus Hessbrüggen. Foto: Hocke

Fritzlar. „Jede Gesellschaft hat die Organisierte Kriminalität, die sie verdient“ – das ist die provokative These von Professor Dr. phil. Thomas Jäger. Er referierte vor Mitgliedern der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik im Hotel Büraberg in Fritzlar-Ungedanken. Jäger ist Politikwissenschaftler und Inhaber des Lehrstuhls für internationale Politik und Außenpolitik an der Universität Köln.

In seinem kurzweiligen Vortrag zeichnete der Wissenschaftler nach, wie sich in den vergangenen 20 Jahren nach dem Zusammenbruch des Ostblocks parallel zu zahlreichen internationalen Konflikten und Krisen die transnationale Organisierte Kriminalität entwickelt hat.

„Organisierte Kriminalität und legale Wirtschaft sind verzahnt.“

Thomas Jäger

Zunehmend unterschiedlich in Methoden, Gruppenstrukturen, Anwendung von Gewalt und stärkerer Einflussnahme, trete sie überall dort auf, wo Regierungen auf Grund ihrer Schwäche wichtige Aufgaben im gesellschaftlichen Leben nicht mehr erfüllen könnten. Damit eröffne sich auf unterschiedlichen Feldern die Möglichkeit, mit kriminellen Methoden wirtschaftliche Profite und politische Macht zu erringen.

„Organisierte Kriminalität und legale Wirtschaft sind verzahnt“, stellte Jäger fest. Mit Vorsicht zitierte er die Schätzung des Internationalen Währungsfonds, wonach zwischen zwei und fünf Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aus kriminellen Machenschaften stamme. Auch in unserem Land gehöre Organisierte Kriminalität zum Alltag. Sie gedeihe vor allem dort, wo Korruption möglich sei.

Die Käuflichkeit von Politikern sei der Nährboden für kriminelle Aktivitäten in großem Stil. Der Referent legte Wert auf eine klare Trennung zwischen Terror und Organisierter Kriminalität. „Terroristen wollen provozieren“, sagte Jäger. Dagegen wollten die Täter bei der Organisierten Kriminalität ungestört bleiben. Die NSA (National Security Agency, USA) bezog er kritisch in seine Betrachtungen ein. Dabei verwies er auf die Tatsache, dass bisher noch nicht eine Gruppe aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität von dieser Behörde identifiziert worden sei.

In der folgenden Diskussion erläuterte Jäger, der auch Herausgeber der Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik ist, an weiteren Beispielen die Erscheinungsformen der Organisierten Kriminalität.

Auf die Frage, wie angemessen die deutsche Polizei mit ihren föderalen Strukturen auf Organisierte Kriminalität reagieren könne, meinte Jäger, dass technische Anpassungen in absehbarer Zeit sicher möglich seinen. Ein Problem der internationalen Kooperation sei allerdings die Vertrauenswürdigkeit der Behörden anderer Staaten. (zho)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare