Training zahlt sich aus

Taubenzüchter Reinhold Liebermann: Seine Tiere schießen wie Raketen in den Schlag

+
Stand den Gästen am Sonntag Rede und Antwort: Reinhold Liebermann (68) aus Leimsfeld ist seit 50 Jahren begeisterter Brieftaubenzüchter. 

Leimsfeld. Reinhold Liebermann aus Leimsfeld züchtet seit 50 Jahren Tauben. Beim Tag der Brieftaube bot der 68-Jährige überraschende Einblicke in seinen Schlag.

Tauben gelten nicht nur als Friedenssymbol, sondern werden oft auch als Rennpferd des kleinen Mannes bezeichnet. Die Tiere können bis zu 120 Kilometer in der Stunde fliegen.

Früher gehörten Brieftauben zum Dorfbild, heute wird die Zucht nur noch von wenigen Enthusiasten intensiv betrieben. Beim bundesweiten Tag der Brieftaube konnte man am Sonntag einen Blick hinter die Kulissen eines spannenden Hobbys werfen.

Im Schwalm-Eder-Kreis hatte Reinhold Liebermann in Leimsfeld seinen Taubenschlag für Gäste geöffnet und stand Rede und Antwort. Überwiegend aktive und ehemalige Züchter trafen sich bei dem Vorsitzenden des Brieftaubenzuchtvereins La Paloma zum Erfahrungstausch.

Faszinierend an Brieftauben sei das Heimfindungsvermögen und ihre Vertrautheit, meint Liebermann. Im Garten des 68-Jährigen stehen zwei Taubenschläge, alles ist sauber und ordentlich. Der Leimsfelder ist seit 50 Jahren leidenschaftlicher Züchter und nennt 180 Tauben sein eigen.

Brieftauben sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern exzellente Flieger mit einem legendären Orientierungssinn. Bei Preisflügen von Reisevereinigungen – ein Zusammenschluss von Züchtern – werden die Tauben mit Transportwagen zu einem Auflassplatz gebracht, wo der Start erfolgt. Sieger ist die Taube, die die höchste Fluggeschwindigkeit erzielt. Die Startpunkte sind zertifiziert und müssen spezielle Bedingungen erfüllen. Beispielsweise darf in unmittelbarer Nähe kein Flugplatz sein. Liebermann lässt seine Vögel im Jahr bei 13 Preisflügen starten. Alljährlicher Höhepunkt ist der Flug von Frankreich zurück nach Nordhessen. Die Tauben legen die 600 Kilometer lange Strecke im Nonstop-Flug zurück. „Wer Pause macht, hat verloren“, sagt der 68-Jährige.

Abflug und Ankunft der Tiere werden elektronisch erfasst. Die Tauben tragen einen Transponderring am Fuß. Eine Manipulation sei so gut wie ausgeschlossen, betont Wilhelm Naumann, Geschäftsführer Regionalverband Nordhessen der Deutschen Brieftaubenzüchter.

Wie bei allen Sportlern ist die richtige Vorbereitung das A und O, erklärt Liebermann: „Gutes Training zahlt sich aus.“ In der Vergangenheit habe der eine oder andere Züchter mit dem Griff in den Medikamentenschrank nachhelfen wollen, weiß Naumann: „Wir haben extra einen Dopingbeauftragten im Verband.“ Nach wie vor kann die Wissenschaft nicht genau erklären, warum Brieftauben über Hunderte Kilometer hinweg den Weg nach Hause finden.

Liebermann vermutet, dass die Tiere das Erdmagnetfeld und Fixpunkte in der Landschaft nutzen. Seine Tauben würden immer aus derselben Richtung zum Taubenschlag zurückkehren, erzählt er: „Das ist das Schönste überhaupt. Die legen die Flügel an und schießen wie Raketen rein.“

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.