Helge Merle hat die siegreichen Porsche-Fahrer in Le Mans fit gemacht und freut sich auf Bahrain und Shanghai

Tage in der Welt des Rennsports

Die Fahne haben seine Kinder nach dem Sieg aufgehängt: Helge Merle hatte als Physiotherapeut des Porsche-Teams beim Rennen Le Mans seinen Anteil am umjubelten Sieg. Das Foto entstand auf der Terrasse seines Hauses in Schönberg. Foto: Quehl

Schrecksbach-Schönberg. Am Montag noch in Le Mans im Nordwesten Frankreichs, am nächsten Tag wieder im Alltag in Schrecksbach. Die Saison bringt Helge Merle (42) harte Schnitte, aber die Freude steht ihm noch ins Gesicht geschrieben. Sein Team hat am Wochenende das legendäre 24-Stunden-Rennen in Frankreich gewonnen.

Es war der Höhepunkt der Saison zur Weltmeisterschaft, die Merle unter anderem noch nach Austin (Texas), Shanghai (China), Fuji (Japan) und Bahrain führen wird.

Neun Fahrer auf drei Wagen haben Merle und seine Frankfurter Physiotherapie-Kollegin in den 24 Stunden des Langstreckenrennens betreut und versorgt. „Es geht dann vor allem darum, die Muskulatur der Fahrer zu lockern, Nacken und Beine machen ihnen zu schaffen.“ Mitunter sitzen die Männer länger in ihren engen Prototypen als ein Formel-1-Pilot während eines Rennens, bevor sie vom nächsten abgelöst werden. In der Spitze fahren sie bis 340 Stundenkilometer.

„Eigentlich bin ich gar kein sehr emotionaler Mensch.“

Helge Merle

Während die Fahrer in ihren Pausen durchaus auch etwas Schlaf bekommen, sind die Betreuer dann praktisch rund um die Uhr auf den Beinen, „da ist höchstens mal ein 20-minütiger Powernap (Tagschlaf) drin“.

Durch Zufall sei er 1998 als Physiotherapeut zum Rennsport gekommen, zuvor habe er damit gar nichts am Hut gehabt. Heute macht Merle die Arbeit an allen möglichen Punkten des Erdballs einfach riesigen Spaß, Le Mans jetzt war der Gipfel: „Die Erfahrung am Sonntag hat alle mitgerissen, einfach überwältigend – dabei bin ich gar nicht so ein emotionaler Mensch.“ Nach der gewaltigen Anspannung sei es einfach wunderbar gewesen, im ganzen Team zusammen zu sein, zu essen und zu feiern. Schließlich musste Porsche 17 Jahre warten, um in Le Mans wieder einmal zu gewinnen, obwohl die Traditionsmarke in der gesamten Renngeschichte seit 1923 am häufigsten gewonnen habe und dort den 17. Gesamtsieg holte: „Man selbst steckt da viel rein und steht dann auch für sein Team.“

Dabei mag Merle seine bodenständige Arbeit im heimischen Schrecksbach nicht minder und wollte auch nicht länger getrennt sein von seiner Familie mit den Kindern Carlotta (11) und Loris (8), „ich gehe eben ein wenig zwischen den Welten hin und her“.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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