Kunststipendiatin Nina Kaun (38) lebt und arbeitet für drei Monate im Malerdorf Willingshausen

Ein Tagebuch voller Träume

Stellt ab 22. November in der Kunsthalle aus: Stipendiatin Nina Kaun bereitet sich im Atelier auf ihre Ausstellung vor. Sie arbeitet an einem eigenen Buch und an ihren Zeichnungen. Foto: Rose

Willingshausen. Ihre Protagonisten sind Schatten, die als Steine vom Himmel fallen. Oder menschliche Organe, die wie Pflanzen aus der Erde wachsen – Nina Kaun erzählt Geschichten. Die schreibt die 38-Jährige selbst. Im Stil eines Tagesbuches.

Und Nina Kaun zeichnet: Ihre Zeichnungen und Collagen hat die Willingshäuser Stipendiatin im Atelier im Reuternhaus an einem roten Faden aufgehängt.

An der großen Wand wächst langsam eine Geschichte. Die Kasseler Künstlerin lebt und arbeitet drei Monate lang in der Malerkolonie. Am Freitag, 22. November, werden ihre Werke in einer Ausstellung präsentiert.

Entstehen wird diesmal kein Katalog, sondern ein Bilderbuch für Erwachsene. Darin nehmen ihre Aufzeichnungen von Tag- und Nachttrräumen künstlerische Formen an.

Dabei geht die Darstellung über das reine Zeichnen hinaus. Nina Kaun experimentiert mit grafischen Techniken und medialen Möglichkeiten. Immer wieder scannt sie ihre schwarz-weißen Zeichnungen ein und verfremdet sie über einen farbigen Druck. So wie sie sich über das Realitätsprinzip des Traumes hinweg setzt, so ermöglicht sie ihrer Geschichte assoziative Sprünge und fantastische Metamorphosen.

In der Ausstellung wird deshalb nicht nur das fertige Buch eben jene Geschichte erzählen. Nina Kaun wird das Material neu arrangieren, ergänzen und zu einer Erzählung erweitern.

Obst direkt vom Baum

Die gebürtige Kasselerin ist mit ihrer Tochter und dem Lebensgefährten ins Hirtenhaus eingezogen. „Ich genieße die abendlichen Spaziergänge im Feld und dass ich mit meiner Tochter einfach so Obst vom Baum pflücken kann“, sagt sie.

Aber sie freue sich auf regelmäßige Ausflüge nach Kassel. „Ich brauche auch neue Eindrücke.“ Es sei jedoch eine Bereicherung, dass in Willingshausen nicht ständig das Telefon klingele. Die Nachbarn des Hirtenhauses hat sie schon kennen gelernt, im Lebensmittelladen um die Ecke nett geplaudert. „Man wird wahrgenommen. Die Leute wussten, dass ich neulich etwas aus dem Baumarkt brauchte.“

Optimal sei für ihre Arbeit das Atelier: „Ich wuchere Räume schnell zu. Aber das brauche ich auch. Ich bin ein optischer Mensch, der gern alles im Blick hat“, erklärt die 38-Jährige.

Märchenwesen

„Meine Geschichte spielt an Orten, die gut nach Willingshausen passen könnten“, sagt Nina Kaun. Ihre Symbole sind Wälder, Berge, Häuser, Individuen, die an subtile Märchenwesen erinnern. Gedruckt werden Nina Kauns Zeichnungen später im Siebdruckverfahren. Das macht sie selbst – an der Uni in Kassel. Hierfür wählt sie große Formate.

Über Willingshausen sagt die 38-Jährige: „Das ist ein reiches Dorf. Hier ist alles sehr gepflegt.“ Und über Schwälmer Spezialitäten weiß sie auch schon bescheid: „Den Platz mag ich wirklich gern.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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