Knappe Mehrheit im Gemeindeparlament

Tagesstätte soll an Waberner Mehrzweckhalle entstehen

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Hier soll der zweite Kindergarten in Wabern entstehen: Die Container und das Kleinsportfeld vor der Mehrzweckhalle weichen der neuen Einrichtung. Das Parlament sprach sich gegen den Standort Uttershausen aus.

Wabern. Es war eine ganz knappe Mehrheit, die über den Standort des geplanten neuen Kindergartens entschied: Die 2,8 Millionen Euro teure Einrichtung wird nun in Wabern errichtet.

Die Gemeindevertreter stimmten am Donnerstag mit 15 zu 13 Stimmen für den Standort Wabern und damit gegen den in Uttershausen ab. Die Mitglieder der SPD und FDP sprachen sich hauptsächlich für Wabern, die der FWG und CDU mehrheitlich für Uttershausen aus. Ein Jahr hatte das Parlament fünf mögliche Standorte bewertet und diskutiert, am Ende musste es sich zwischen der Fläche nahe der Grundschule in der Kerngemeinde und einer in der Uttershäuser Heerstraße entscheiden. Das tat es auch am Donnerstagabend – nach langer und teilweise auch emotionaler Diskussion.

Die CDU

Katja Köhler-Nachnebel brachte das Problem auf den Punkt: „Wir haben ein echtes Luxusproblem: Wir müssen zwischen zwei richtig guten Standorten wählen.“

Dabei ließ sie keinen Zweifel, dass ihre Fraktion Uttershausen für die bessere Wahl halte. Das Grundstück in Uttershausen (7700 qm) sei größer als das in Wabern (5000 qm) und damit geeigneter: „Kinder brauchen Raum zum Leben und Lernen.“

Die FDP

Das Grundstück in Wabern sei kleiner, stelle aber doch einen optimalen Standort dar, sagte Renate Schütz. Sie verwies aufs nahe Neubaugebiet, auf dem 50 Häuser entstehen sollen, auf die benachbarte Schule und die Stärkung der Kerngemeinde.

Die FWG

Alles schön und gut, sagte Jochen Ritter, verwies aber darauf, dass der Waberner Standort ursprünglich als Erweiterungsfläche fürs Gelände der Feuerwehr geplant war und forderte Planungsfreiheit: „Es kann sein, dass wir den Platz noch brauchen: Wer weiß, welchen Vorschriften für die Wehren wir in 20 Jahren gerecht werden müssen.“ Ritter sprach sich für die FWG – unter donnerndem Applaus der Zuschauer – für den Standort Uttershausen aus.

Die SPD

Den aber lehnte die SPD ab. Sprecher Marco Pelz machte klar, dass das Parlament keine politische Entscheidung treffen müsse, sondern eine im Sinne der Kinder – und für die seien kurze Wege wichtig.

Wabern sei von allen Ortsteilen gut erreichbar, spare beim Transport Geld, Zeit und Schadstoffstoßausstöße, biete Parkplätze, Mehrzweckhalle, Schule und großes Potenzial: „Wir haben die Riesenchance, Bildungseinrichtungen zu verzahnen“, bekräftigte auch Olaf Carls von der SPD. Und auch sein Fraktionskollege Georg Bauer machte sich für Wabern stark: Es könne nicht die Aufgabe eines Kindergartens sein, die Dorfgemeinschaft zu stärken. Vielmehr müsse ein Kindergarten den Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bieten. Es mache wenig Sinn, einen Kindergarten an einem Ort zu erreichten, an dem nur zehn Prozent der Nutzer wohnten. Die vielen Zuschauer aus Uttershausen nahmen die Entscheidung hin – die meisten sehr enttäuscht.

Hintergrund: Sechs Hektar Land für Bauwillige

Jetzt können Bauwillige in Wabern durchstarten: Die Gemeindevertretung hat am Donnerstag das Neubaugebiet „In den Sälen“ auf den Weg gebracht. Bereits am Montag, 20. März, sollen die Erschließungsarbeiten beginnen. 50 neue Häuser können auf der sechs Hektar großen Fläche entstehen, die hinter den Waberner Werkstätten am Ortseingang von Wabern liegen. Es gebe bereits 40 Interessenten, heißt es aus dem Rathaus. Viele stünden schon in den Startlöchern, sagte Bürgermeister Claus Steinmetz. Zunächst beginnen die Arbeiten für den ersten Bauabschnitt, auf dem Platz für 25 Eigenheime ist.

Kommentar von Claudia Brandau:

Es war eine Diskussion wie aus dem Lehrbuch der Demokratie: Die Waberner Debatte um die Wahl des richtigen Standorts für den neuen Kindergarten hätte auch ganz anders verlaufen können. Das Thema bot so viel Zündstoff, dass es viel Platz für böse, gemeine, verletzende Worte gegeben hätte.

Doch statt auf persönliche Angriffe setzten die Parlamentarier auf sachliche Argumente. Und auch vielen Zuhörer aus Uttershausen hätten guten Grund gehabt, ihre Enttäuschung über die Pro-Wabern-Entscheidung auszudrücken, immerhin verlieren sie mit ihrem Kindergarten eine wichtige Einrichtung. Aber sie nahmen den Beschluss an – als Entscheidung, die sich keiner leicht gemacht hatte. Das ist nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der sich viele Menschen schnell übervorteilt oder gar belogen und betrogen fühlen. Am Donnerstagabend aber siegte in Wabern die Fairness. Und die gilt es zu würdigen.

Quelle: HNA

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