Tanja Tempel färbt Ostereier mit Rotkohl & Co.

Zierenberg. Wozu Farben voller Chemie, wenn Zwiebelschalen, Rotkohl und Gewürze ebenso strahlende Ergebnisse ins Osternest zaubern? Eierfärben wie zu Großmutters Zeiten liegt voll im Trend. Wie es funktioniert, hat uns die Zierenbergein Tanja Tempel verraten.

In Tempels Küche sieht es aus, als würde am Wochenende nicht der Osterhase, sondern der Weihnachtsmann kommen. Bergeweise Rotkraut hat sie gerade auf einem Holzbrett in kleine Stücke zerteilt, um sie nun in einem Topf mit Wasser langsam vor sich hin köcheln zu lassen. Äpfel, Zimt und Nelken braucht sie nicht, schließlich bereitet sie kein Weihnachtsmenü für ihre Familie zu, sondern einen Sud zum Färben der strahlend weißen Eier, die sie parallel mit scharfem Essig für ihr Bad in der farbigen Brühe vorbereitet hat.

„Mit der Säure lassen sich nicht nur perfekt die Herkunftsstempel von den Eiern putzen, sie rauen auch deren Schale auf, sodass sie die Farbe besser aufnehmen“, erklärt die junge Mutter, die wie in jedem Jahr ganz auf natürliche Zutaten zum Färben ihrer Ostereier setzt.

„Chemie muss nicht sein“

Die zertifizierte Wildkräuter- und Heilpflanzenpädagogin weiß, wie wichtig gesunde Inhaltsstoffe in Speisen sind und wo sie sie herbekommt. „Unnötige Chemie muss auch beim Eierfärben nicht sein, mit ganz simplen Küchenzutaten, teilweise sogar aus der heimischen Natur, lassen sich ebenso gute, wenn nicht bessere Ergebnisse erzielen.“

Teilweise bringt Tempel die farbgebenden Pflanzen und Gewürze von ihren Kräuterwanderungen rund um den Dörnberg mit. Johanniskraut beispielsweise, das den Eiern einen satten Gelbton verpasst. „Die Heilpflanze wächst im Frühjahr nahezu an allen Wegesrändern, man kann aber auch Johanniskrauttee aus der Apotheke oder dem Fachhandel verwenden“, so die 35-Jährige.

Wichtig sei nur der richtige Ansatz der Naturfarbe: 20 Gramm Tee mit einem Liter Wasser überbrühen und 20 Minuten ziehen lassen. „Gibt man noch zwei Messerspitzen Alaun hinzu, wird das Farber-gebnis noch intensiver.“ Das Ammoniumaluminiumsalz bekomme man in jeder Apotheke.

100 Prozent Natur

Alaun sorgt auch für zufriedene Prinzessinnen, die an Ostern auf keinen Fall auf strahlend pinke Eier verzichten wollen. „Da muss man allerdings noch zwei Knollen Rote Beete hinzufügen, fein gerieben“, so die Farbexpertin. Für ein hübsches Violett sorgen dagegen Heidelbeeren. Werden diese selbst gesammelt, liefern sie laut Tempel die besten Ergebnisse, das Fruchtfleisch nämlich sei farbintensiver als bei Beeren aus dem Supermarkt.

Für nahezu alle Farbwünsche halte Mutter Natur die passende Zutat bereit, nur für ein strahlendes Rot habe sie noch nichts gefunden. „Apfel- und Birnenbaumrinde sollen funktionieren, das habe ich aber noch nicht versucht“, sagt sie und holt nach rund einer halben Stunde ihre Eier aus dem Rotkohlsud. Das Ergebnis: tiefblau und 100 Prozent Natur.

Quelle: HNA

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