Tankstellen: Blick auf die Konkurrenz bestimmt den eigenen Spritpreis

Schnell informieren: Mitarbeiterin Manuela Drossinger von der Shell-Station an der Nürnberger Straße in Melsungen meldet die aktuellen Spritpreise der Konkurrenz an ihre Mineralölzentrale. Foto: Schorn

Schwalm-Eder. Wie kommen eigentlich die Benzinpreise an Tankstellen zustande? Klar, vor allem durch den Einkaufspreis für Rohöl, das sich die Mineralölkonzerne an den Börsen beschaffen. Aber warum ist der Kraftstoff im Schwalm-Eder-Kreis dann manchmal teurer als in Kassel?

Und warum senken oder erhöhen die Tankstellen unverzüglich ihre Preise, wenn bei einer anderen Sprit-Station am Ort der Preis fällt oder steigt? Fährt etwa ein Tankstellen-Mitarbeiter dauernd herum, um die Preisentwicklung bei der Konkurrenz mitzubekommen?

Teilweise ja, lautet die Antwort. „Die Preise werden von uns dauernd beobachtet“, erklärt Elke Wagner von der Aral-Tankstelle in Fritzlar. Und Rafael Kurnaz von der BFT-Tankstelle in Schwalmstadt fügt hinzu: „Wir müssen zum Teil vier- bis fünfmal am Tag herumfahren, um die Preise abzugleichen.“ Natürlich ist das zeit- und kostenintensiv für die Tankstellenbetreiber. „Aber anders kann das nicht gemacht werden“, sagt der Schwalmstädter BFT-Betreiber.

Diesen Aufwand bestätigt auch Dr. Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands in Berlin. „Nur so können die Tankstellen wettbewerbsfähig bleiben“, erläutert er. „Das ist ein knallharter Wettbewerb.“

Kundentreue ist selten

Es gebe nur noch wenige Kunden, die einer bestimmten Tankstelle oder Spritmarke treu bleiben, erläutert Manfred Exner von der Shell-Station in Melsungen: „Die meisten Autofahrer sind sehr preissensibel.“

Denn ist der Kraftstoff bei einer Tankstelle am Ort preisgünstiger als bei einer anderen, spüre die teurere Station das sofort: Die Kunden bleiben weg. Schnell muss der aktuelle Preis des Mitbewerbers ermittelt und an die eigene Mineralölzentrale gemeldet werden. Von dort wird dann der Preis an der betreffenden Tankstelle gesenkt. Das geschieht zentral per Funksignal – das Personal vor Ort hat darauf keinen Einfluss.

So funktioniert das auch bei Erhöhungen. „Irgendwann ist die Schmerzgrenze im Preiskampf bei den einzelnen Tankstellen erreicht“, erklärt Mineralölverbandssprecher Picard. „Dann muss erhöht werden.“

Bei der Preisbildung spielen die freien Tankstellen eine entscheidende Rolle. „Gott sei dank gibt es die“, sagt BFT-Betreiber Kurnaz. Denn wenn die Freien Tankstellen ihre Preise durch günstigen Spriteinkauf deutlich senken können, müssen auch die Markentankstellen, im Fachjargon A-Tankstellen genannt, nachziehen.

In Kassel scheint der Wettbewerb durch die große Anzahl von Tankstellen, darunter viele freie Stationen, besonders hart zu sein“, vermutet Franz Schaller von der Westfalen-Tankstelle in Wabern-Unshausen.

Auch werde in der documenta-Stadt viel mehr getankt. Dadurch kämen dort teilweise günstigere Preise zustande als auf dem Land.

Doch auch im Schwalm-Eder-Kreis kommt eine Preissenkung oder -erhöhung ausder Großstadt irgendwann an, wenn auch zeitverzögert.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare