Katharina Zetzsche spendet ihr Vermögen an Kindergärten und Schulen in Felsberg

Tante Elses Geschenk

Ein gutes Team: Katharina Zetzsche (rechts) und ihre Nichte Brigitte Schamberger wollen die Bildung von Kindern in Felsberg fördern. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg. 100 000 Euro – damit könnte man eine Weltreise machen oder ein teures Auto kaufen. Doch die Felsbergerin Katharina Zetzsche gibt ihr Geld nicht für sich aus: Sie spendet es an Kindergärten und Grundschulen in ihrer Heimatstadt.

„Es ist schwierig, mir etwas zu schenken“, sagt Katharina Zetzsche, „ich habe ja schon alles.“ Deshalb stellt die 88-Jährige bei Geburtstagen eine Sammeldose auf, in die ihre Gäste Geld einwerfen können. Auch diese Summen spendet Zetzsche.

Die zierliche Frau hat lange dafür gespart, dass sie sich ihre Wünsche selbst erfüllen konnte. „Schon von meinem ersten Gehalt als Lehrerin – das waren damals 143 Mark im Monat – habe ich 20 Mark auf ein Sparbuch eingezahlt.“

Sie hat jahrelang gespart

Ihr Ziel: „Mit 40 wollte ich in meinem eigenen Haus wohnen.“ Von da an sparte Zetzsche jeden Monat ein Siebtel ihres Gehalts. 1964 zog die damals 39-Jährige tatsächlich in ein selbst gebautes Häuschen in Gensungen. Obwohl sie ihr Ziel erreicht hatte, sparte sie weiter.

Doch eine eigene Familie, der sie ihr Erspartes hinterlassen könnte, hat sie nicht. Ihren Mann Günther lernte sie erst mit 47 Jahren kennen. 34 Jahre waren die beiden verheiratet, bis Günther Zetzsche vor fünf Jahren starb. „Ich hätte gern Kinder gehabt“, erzählt Katharina Zetzsche – doch dieser Wunsch erfüllte sich nicht.

Umso mehr war Zetzsche für die Kinder ihrer fünf Geschwister da. Liebevoll wurde sie von allen „Tante Else“ genannt – mit zweitem Vornamen heißt sie Elisabeth. „Sie war anders als all die anderen Tanten, die ich hatte“, erinnert sich Zetzsches Nichte Brigitte Schamberger, die das Geld für ihre Tante verwaltet. „Sie ist viel gereist, hat uns Dias mit Bildern aus anderen Ländern gezeigt. Und sie hat immer gesagt: Mädchen, lies!“

Bildung für Kinder – das liegt Katharina Zetzsche am Herzen. 37 Jahre lang war sie Lehrerin und später Konrektorin an der Heiligenbergschule in Gensungen. Ihr war immer klar, dass sie auch nach ihrer Pensionierung etwas für Kinder tun wollte.

Den letzten Anstoß gab ein Erlebnis vor drei Jahren, beim Besuch einer Einrichtung der Diakonie: Ein Junge, der dort die Nachmittagsbetreuung für Schulkinder nutzte, sollte die Besucherin herumführen. „Ich habe gehört, wie jemand über ihn sagte: Der kann nicht lesen und schreiben, der kann nichts“, erinnert sich Zetzsche. Als ihr der Junge den Musikraum mit dem Keyboard zeigte, fragte sie ihn: „Kannst du was spielen?“ Und der Junge spielte. „Ich weiß nicht, wie das Stück hieß, aber es war wunderbar“, sagt Zetzsche. „Da habe ich gedacht: Mensch, der kann doch was.“ Sie legte ein Sparbuch für den Jungen an, um ihm den Besuch einer Musikschule zu ermöglichen. „Heute spielt er in einer Band“, erzählt Zetzsche.

Inzwischen unterstützt sie Kinder in ganz Felsberg – und will das auch in den kommenden Jahren tun. „Was man anfängt, muss man zu Ende bringen“, sagt Zetzsche. Die Organisation übernimmt dabei Brigitte Schamberger. „Wir sind schon ein gutes Team“, finden die beiden Frauen. ARTIKEL UNTEN

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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