Sebastian Hahn (20) aus Treysa beschäftigt sich seit vier Jahren mit der so genannten Lichtmalerei

Mit der Taschenlampe als Pinsel

Spektakuläre Effekte bei Nacht: Dieses Foto hat Sebastian Hahn mithilfe von Farbfiltern und einer Lichtquelle auf dem Haaße-Hügel in Treysa gemalt. Fotos:  1 Rose/1Privat/nh

Treysa. Eigentlich sieht Sebastian Hahn nie, was er tut: Trotzdem hinterlässt der inszenierte Zufall spannende Spuren. Der 20-Jährige aus Treysa beschäftigt sich seit vier Jahren mit Lightpainting, englisch für Lichtmalerei. Dahinter verbirgt sich eine besondere Art der Fotografie, die Technik der Langzeitbelichtung.

Was dem Maler der Pinsel ist, ist Sebastian Hahn die Taschenlampe: Die ist nämlich, neben seiner Spiegelreflexkamera, sein wichtigstes Utensil. Der Auszubildende zum Industriekaufmann kam durch puren Zufall zu der Technik. „Irgendwann hatte ich Lichtspuren auf einem Foto, die ich eigentlich ganz reizvoll fand“, erklärt der 20-Jährige. Seitdem ist er für seine „Spielerei“ häufig abends in Treysa oder Fritzlar unterwegs, um die Effekte – Schriftzüge oder Formen – vor Silhouetten wie dem Bahnhof in Treysa oder der Totenkirche einzufangen.

Geduld ist gefragt

Für die Lichtmalerei kann Hahn jede Lichtquelle benutzen – etwa Taschenlampen, Feuerzeuge und Leuchtstäbe.

Das Licht richtet er dabei während der Belichtung in Richtung der Kamera und zieht mit der Lampe Formen oder Linien nach. Auch Buchstaben vollführt der 20-Jährige im Dunklen – logischerweise spiegelverkehrt. Dafür muss der Lichtmaler nicht nur Fantasie, sondern vor allem Geduld mitbringen.

„Es gibt Ideen, die mir erst nach 50 Versuchen gelungen sind“, sagt Sebastian Hahn. Reizvolle Effekte erzielt der 20-Jährige durch den Einsatz von selbst gebauten Filtern, bezogen mit Farbfolien.

Dass der junge Treysaer dabei so manchen verwunderten Blick erntet, stört ihn nicht mehr. „Ein Polizist hat sich mal nach meinem Geisteszustand erkundigt.“ Auch die Besucher, die unlängst das Treysaer Kino verließen, dürften erstaunt gewesen sein, dass ein Fotograf seine Kamera ausgerechnet auf einen Mülleimer richtete. „Es sieht halt auch bekloppt aus, auf offener Straße mit der Taschenlampe rumzufuchteln“, sagt Hahn. Für sein Lieblingsbild kam dem Treysaer wieder der Zufall zu Hilfe: Ein Kunststoffstuhl mit drei Beinen, der in der Steingasse herum lag. Der Treysaer hat ihm per Taschenlampe kurzerhand ein paar Flügel verpasst. Die Effekte gelingen übrigens am besten mit einem Funkfernauslöser.

„Nicht nur in der Werbung ist die Lichtmalerei mittlerweile gefragt, aber so schrecklich bekannt ist sie nicht“, sagt Hahn. Verkaufen will der 20-Jährige seine Fotos aber nicht: „Irgendwann würde ich gern einen eigenen Fotobildband realisieren.“ HINTERGRUND

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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