Tauchunfall: Staatswaltschaft erhebt Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Guxhagen/Fehmarn. Ein Zehnjähriger aus Guxhagen, der mit seinen Eltern vor genau einem Jahr auf Fehmarn Urlaub machte, und eine 16-Jährige aus Marburg waren bei einem Tauchkurs in der Ostsee verunglückt. Der Junge starb kurze Zeit darauf, das Mädchen nach elf Tagen.

Nun hat die Staatsanwaltschaft Lübeck Anklage erhoben gegen den damals 20-jährigen Tauchlehrer und dessen Vater, der die Tauchschule betrieb.

Die Vorwürfe im Einzelnen werden den beiden Angeklagten laut Oberstaatsanwalt Werner Spohr (Lübeck) vorgeworfen:

• Der Vater hätte wissen müssen, dass sein Sohn nicht berechtigt war, in unbegrenztem Freiwasser, wie es Juristen nennen, zu unterrichten.

• Mit fünf Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 16 Jahren ohne Taucherfahrung und einem Erwachsenen sei die Gruppe zu groß gewesen.

• Es hätten mit einer Sichtweite von zwei bis drei Metern schlechte Sichtverhältnisse in der Ostsee geherrscht.

• Die Ausrüstung sei nicht auf dem neuesten Stand gewesen.

• Bleigürtel und Tarierwesten hätten nicht dem jeweiligen Körpergewicht entsprochen.

Das Verfahren gegen den Tauchlehrer wird vor dem für Fehmarn zuständigen Jugendschöffengericht Oldenburg verhandelt, voraussichtlich noch in diesem Jahr.

Es war Freitag, der 16. Juli 2010, als der der Sohn des Tauchschulbesitzers zu einem Schnuppertauchkurs aufbrach. 50 Meter vor dem Strand war die Gruppe abgetaucht und hatte in zweieinhalb Metern Tiefe wegen mangelnder Sicht schnell den Kontakt zueinander verloren. Beim Auftauchen wurden der Zehnjährige und die 16-Jährige vermisst. Während die Jugendliche nach wenigen Minuten von Rettungskräften geborgen und reanimiert wurde, fand man den Jungen erst nach 20 Minuten im Wasser treibend.

Etwa eine Stunde lang versuchten Rettungskräfte und Notärzte den Jungen wieder zu beleben. Er starb am späten Samstagabend. Elf Tage nach dem Unfall starb auch die junge Marburgerin. In der Tauchschule wurden gleich nach dem Unglück Lungenautomaten und Pressluftflaschen von Polizisten sichergestellt, und die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen gegen den Tauchlehrer und dessen Vater auf.

Quelle: HNA

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