Am Pilgerweg: In Niedergrenzebach werden bald Taufen unter freiem Himmel angeboten

Taufstätte wie aus der Antike

Symbolischer Akt: Pfarrer Hans-Gerrit-Auel, Wilhelm Peter, Karl Hautz (vorn, von links) mit den Bauarbeitern Tim Degenhardt, Björn Jilg, Gerhard Rühl und Peter Glogowski (von links). Foto: Rose

Niedergrenzebach. 21 Kilometer ist er lang, der neue Pilgerweg, der morgen eröffnet wird: Die Aktion trägt den Namen „Katechismus auf dem Weg“. Die Kirchengemeinde Niedergrenzebach nimmt als Themenkirche teil, hier steht die Taufe im Mittelpunkt. Aktuell entsteht neben der Kirche eine antike Taufstätte. „Gesehen hatten die Gemeindemitglieder ein ähnliches Becken bei einer Fahrt nach Ephesos 2006“, erklärt Pfarrer Hans-Gerrit Auel.

Realisiert werden konnte der Wunsch nun im Rahmen der Katechismus-Aktion: Knapp 6000 Euro kostet das Becken, finanziert vom Kirchenkreis.

Zusammen mit dem Ehrenvorsitzenden des Kirchenvorstandes Wilhelm Peter und Karl Hautz vom Arbeitskreis Gottesdienst und Gemeindeleben ließ Auel am Freitagmorgen für die Nachwelt eine Kapsel mit zeitgeschichtlichen Dokumenten – einer Tageszeitung und einem Brief für den Finder – in der Erde versinken. Das Taufbecken hat wie jeder Taufstein auch acht Ecken: „Die Zahl symbolisiert die Sintflutgeschichte, in der acht Menschen überlebten“, verdeutlicht Auel. Heute befände sich der Taufstein in Kirchen meist links oder rechts vom Altar – im Blickfeld der Gemeinde. Früher habe er sich im Eingangsbereich der Gotteshäuser befunden, teilweise auch im Freien. „Die Menschen wurden zuerst getauft, bevor sie eine Kirche betraten“, erklärt der Pfarrer.

Die Kindertaufe gebe es seit dem 3. Jahrhundert. Geachtet werde bis heute darauf, dass der Täufling mit den Augen Richtung Osten blicke. „Osten steht für Ostern, für die Morgendämmerung.“ Sich nach Osten auszurichten gelte als christliche Gebetshaltung.

Form eines Kreuzes

Maßgeblich mitgeplant hat das neue Taufbecken Wilhelm Peter. Zunächst war angedacht, die Mauerarbeiten mit Klinkern zu versehen. „Doch das hätte nicht zum Charakter der Niedergrenzebacher Kirche gepasst“, erzählt er. Deshalb habe man einen Kunststein gewählt, der in seiner Haptik und Optik an antike Steine erinnere. Das Becken hat die Form eines Kreuzes und acht Ecken. Versehen wird es in den nächsten Tagen von zwei Seiten noch mit Treppenstufen. Der Weg dorthin soll einem Fisch ähneln. „Wir wollen uns nicht selbst Konkurrenz machen, sondern verschiedene Formen der Taufe anbieten“, sagt Auel.

Die Kirchengemeinde beteiligt sich mit weiteren Projekten an der Aktion „Katechismus auf dem Weg“: Geplant ist eine Bilderkette, die die Entwicklung der Taufe in der Kirchengeschichte nachzeichnet. Für das Pfingstfest ist eine Ausstellung mit Taufkleidern, Kerzen und Urkunden geplant. Im Juli stehen rund um die Kirche Tauflieder im Mittelpunkt. WORT ZUM SONNTAG

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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