Erpel verlieren im Sommer ihr buntes Gefieder

Tausend Kilometer bis zur Mauser

Tarnkappe: In der Mauser sind die Erpel unauffällig.

Schwalm. Vor wenigen Wochen war noch alles wie immer: Unter den Enten auf dem Wallgraben in Ziegenhain oder entlang der Schwalm waren genauso viele bunt gefärbte Erpel wie unauffällig gemusterte Weibchen. Wer sich die Tiere nun anschaut, muss feststellen: Die Erpel mit ihrem leuchtend grünen Kopf, der dunkelbraunen Brust und dem auffallend hellgrauen Körpergefieder sind verschwunden, es sind nur noch braune Enten unterwegs.

Diese Beobachtung lässt sich jedes Jahr bestätigen. Im Juli und August sind die bunten Männchen nicht zu sehen. Aber die Erpel sind noch da – sie haben sich eine Tarnkappe zugelegt. Im Mai bekommen die Erpel erste braune Federn im sonst so auffallenden Federkleid, im Juni sind sie schon überwiegend braun und im Juli und August kaum noch von den Weibchen zu unterscheiden. Nur der ganzjährig gelbe Schnabel unterscheidet sie nun von den Weibchen – deren Schnabel ist orange und dunkel gemustert.

Die Umfärbung erfolgt durch die Mauser, die auffälligen Federn fallen nach und nach aus und werden durch das braune Tarnkleid ersetzt. Ab September verwandelt sich das Braun des so genannten Schlichtkleids wieder in die bunte Pracht. Mit dem dann wieder auffallenden Körperschmuck werben die Erpel im Winterhalbjahr um die Enten, bis im nächsten Mai der Zyklus erneut beginnt.

Aber warum betreiben die Erpel diesen doppelten Federwechsel, wenn die Produktion jeder neuen Feder energieaufwändig ist und fast alle anderen Vögel nur einmal im Jahr mausern? Der Grund ist ebenfalls Mauser-bedingt: Stockenten erneuern wie alle Entenarten ihr Fluggefieder, indem sie alle Flügelfedern innerhalb weniger Tage gemeinsam abwerfen. Dadurch werden sie aber für einige Zeit vollkommen flugunfähig.

Eine bunte, aber flugunfähige Ente wäre für Jäger wie Fuchs oder Greifvogel eine Einladung zum Festessen. Daher tarnen sich die Erpel zunächst durch ein braunes Körpergefieder. Nachdem die Schwungfedern nachgewachsen sind, wird auch das Körpergefieder wieder in das auffällige Prachtkleid gewechselt.

Für viele Entenarten stellt die flugunfähige Zeit ein Problem bei der Nahrungsbeschaffung dar. Sie suchen daher so genannte Mauserplätze auf, die neben Sicherheit gegenüber Feinden auch ausreichende Nahrung bieten. Diese Plätze erfüllen die Bedürfnisse der Tiere derart optimal, dass sie zum Teil aus Entfernungen von mehr als tausend Kilometern angeflogen werden.

So mausert die gesamte europäische Population der Brandente an der Nordseeküste im Bereich der Elbemündung. Selbst die am Mittelmeer brütenden Brandgänse fliegen zur Mauser dorthin. Die in England brütenden Gänsesäger hingegen mausern in einem Fjord in Nord-Norwegen, die spanischen Kolbenenten zieht es zum Bodensee. (bf) Artikel unten

Quelle: HNA

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