Tausende Besucher beim Feuerräderlauf in Günsterode

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Überall Flammen: Timo Lohmann blickt dem rollenden Feuerrad hinterher. Seit mehr als zehn Jahren übernimmt Lohmann die Aufgabe, die Räder solange festzuhalten, bis sie voll entzündet sind. Zum Schutz trägt er einen feuerfesten Anzug.

Günsterode. Die Feuerräder von Günsterode sind auch die weiteste Reise wert: Das bewiesen am Ostersonntag einige Besucher, die extra mit dem Wohnmobil an den Kehrenberg gekommen waren.

„Wir hatten diesmal auch Gäste aus Passau dabei“, sagt Rainer Salzmann vom Verein für Brauchtumspflege, der den Feuerräderlauf seit 1993 organisiert.

Der Brauch selbst ist aber viel älter: 1895 wurden das erste Mal brennende Räder den Kehrenberg hinabgerollt. „Der Brauch wurde aus Westfalen zu uns importiert“, erklärt Salzmann. „Günsterode war ein Köhlerdorf. Als es hier nicht mehr genügend Holz gab, pilgerten viele der Bewohner nach Westfalen in die Zechen.“ Dort lernten sie den Feuerräder-Brauch kennen - und brachten ihn mit in ihre Heimat.

„Die Feuerräder haben ihren Ursprung in nordischen Göttersagen“, erklärt Salzmann. Die brennenden Räder sollten die Sonne symbolisieren, die mit dem Frühling wieder mehr und kräftiger scheint. „Je länger die Räder rollen, desto mehr soll auch die Sonne scheinen“, sagt Salzmann.

Verein erntet eigenes Stroh 

Demnach erwarten uns einige sonnige Monate. Denn zumindest zwei der drei Feuerräder hatten am Sonntag einen richtig guten Lauf, berichtet Salzmann. „Eins ist allerdings in einer Hecke hängengeblieben.“

Bilder der Veranstaltung:

Feuerräderlauf mit Osterfeuer in Melsungen-Günsterode

Da habe es sich aber ausgezahlt, dass es vorher geregnet hatte - dadurch griff das Feuer nicht auf die Hecke über. „Außerdem ist die Feuerwehr ja immer dabei und passt auf“, beruhigt Salzmann.

Das Spektakel selbst ist schnell vorüber - doch der Brauchtumsverein braucht viel Zeit für die Vorbereitung. „Wir müssen für die Räder unser eigenes Stroh anbauen, das wir dann ganz traditionell ernten“, erklärt Salzmann. Denn das normale Stroh werde vom Mähdrescher so kleingehäckselt, dass man es nicht mehr um die Räder flechten könne.

Mehr als 40 Bünde Stroh werden für die drei Räder benötigt. „Ein Rad wiegt mit Stroh etwa 200 Kilo“, schätzt Salzmann. Am Gründonnerstag werden die Stahlräder auf eventuelle Schäden überprüft - denn sie werden jedes Jahr wieder verwendet. Am Karfreitag werden sie dann mit Stroh gestopft, das dann am Ostersonntag entzündet wird.

Feurig wurde es übrigens auch am Ostermontag nochmal: Da trafen sich die Vereinsmitglieder nämlich zum Aufräumen - und zum anschließenden Grillen. (jul)

Quelle: HNA

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