Bis zu 250.000 Vögel ziehen vorbei 

Die Vorboten des Frühlings kommen: Tausende Kraniche ziehen auf ihrer Reise nach Norden über Hessen

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Scheue Gesellen: Außergewöhnlich früh kamen in diesem Jahr die ersten Schwarzstörche nach Hessen. 

Es ist jedes Jahr wieder ein großartiges Schauspiel am Himmel und ein Zeichen für den bald nahenden Frühling. Die Kraniche kommen aus ihren Winterquartieren zurück.

Mit lautem Trompeten und in keilförmiger Formation fliegen sie über das Land. Auf ihrer langen Reise nach Norden haben sie mittlerweile auch Hessen erreicht. Vor wenigen Tagen wurden sie über Marburg gesichtet, inzwischen sind sie nach Angaben des Naturschutzbundes Hessen (Nabu) auch in der Region angekommen. Am Himmel über Waldeck-Frankenberg waren die Glücksboten bereits zu sehen und zu hören.

Und es werden immer mehr. Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Nabu Hessen, sagt euphorisch: „In den nächsten warmen und sonnigen Tagen ist mit einem Massenflug von Kranichen zu rechnen.“ In den kommenden Wochen ziehen bis zu 250.000 der Vögel über Hessen hinweg, bis zu 8000 sind bereits jetzt unterwegs.

Die großen Vögel verbringen den Winter meist in Südfrankreich, in Spanien und in Nordafrika. Aufgrund der insgesamt milderen Winter lassen sich viele mittlerweile aber auch schon im Norden Frankreichs nieder. Die Kraniche überwintern dort an großen Seengebieten wie dem Marnestausee.

Rast in Hessen bei schlechtem Wetter 

Hessen überqueren sie auf dem Weg in die vorpommersche Boddenlandschaft. Einer der Hauptrouten verläuft dabei zunächst über das Saarland und Rheinland-Pfalz Richtung Frankfurt und von dort über den Taunus nach Mittel- und dann nach Nordhessen.

In Hessen legen die bis 1,30 Meter großen Vögel vor allem bei schlechtem, regnerischem Wetter oder bei starkem Gegenwind eine Rast ein. Die Gebiete dafür beginnen im Süden in den Auen von Rhein und Main und in der Wetterau, in Nordhessen lassen sich die Kraniche in den Flusstälern von Werra, Eder und Fulda nieder. Bei schönem Wetter können sie auch ohne Halt bis zur Ostsee fliegen.

Scheue Gesellen: Außergewöhnlich früh kamen in diesem Jahr die ersten Schwarzstörche nach Hessen.

Kraniche sind nach weiteren Informationen des Nabu besonders gut bei südwestlichen Winden zu beobachten. Als Faustregel gilt: Bei Sonnenschein fliegen sie hoch, bei wolkigem Wetter tiefer.

Die Kraniche sind nicht die einzigen Vorboten des Frühlings. Wer in diesen Tagen durch Wald und Flur geht, kann schon allerlei Gezwitscher vernehmen. Stare, Blau- und Kohlmeisen kann man hören, auch die Misteldrossel singt nach Angaben der Staatlichen Vogelschutzwarte schon in den Wäldern.

Auch Amseln, Zaunkönige und Rotkehlchen werden sich, so der Nabu, bald bemerkbar machen, eingetroffen sind auch Weißstörche, Kiebitze, Feldlerchen (der Vogel des Jahres 2019) und Rotmilane.

Schwarzstörche ungewöhnlich früh gesichtet  

Ungewöhnlich früh wurden in diesem Jahr bereits Schwarzstörche gesichtet. Drei Wochen früher als üblich wurde der erste im Lahn-Dill-Kreis gesehen. Beobachtungen in Nordhessen wurden bislang nicht bekannt. Diese Vögel bevorzugen im Gegensatz zum Weißstorch geschlossene, ruhige Wälder mit Lichtungen und Bächen. Nach den Erfahrungen der Vogelschutzwarte überwintern Schwarzstörche aufgrund milderer Temperaturen inzwischen in Spanien statt wie früher in Afrika. Damit hätten sie einen wesentlich kürzeren Rückflug.

Lesen Sie auch: Woran Kranich-Zähler die Zugvögel erkennen

Der Nabu sammelt Daten über das Zugverhalten von Kranichen, um Schutzmaßnahmen etwa für Rastplätze ergreifen zu können. Interessierte können Kranichbeobachtungen auf der Seite Nabu-Naturgucker melden.

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