Teile gehen auf Treysaer Apotheker zurück

Apothekerin rettete 160 Jahre alte pharmakognostische Sammlung

Eine besondere Sammlung: Barbara Rumpf zeigt die getrockneten Schwimmblase eines Beluga-Störs as der pharamkognostischen Sammlung. Die Schwimmblase brachte man einst, um medizinische Pflaster herzustellen. Foto: Coordes

Schwalmstadt/Marburg. Ohne Barbara Rumpf wäre die einzige pharmakognostische Sammlung Hessens wohl dem Abrissbagger zum Opfer gefallen. Während ihrer Dissertation entdeckte die Apothekerin die Präparate vor mehr als 30 Jahren auf dem Dachboden der ehemaligen akademischen Waschanstalt.

Damals war sie auf der Suche nach Material für ihre Dissertation.
Im Jahr 2012 wurde das Gebäude abgerissen: „Dann hätte wohl niemand mehr von der Existenz der Sammlung gewusst.“ Im Februar feiert die ungewöhnliche Kollektion ihr 160-jähriges Bestehen.

Zu ihr gehören 2600 Exponate, darunter180 Gläser Chinarinden sowie Früchte, Samen, Harze, Balsame, exotisches Obst und Tees. Barbara Rumpf haben die ungewöhnlichen Objekte seit ihrer Entdeckung vor mehr als 30 Jahren nicht mehr losgelassen. Die 78-Jährige veröffentlichte ungezählte Aufsätze zur Pharmaziegeschichte „Mich begeistert, wie viel man aus den Wurzeln und Blüten machen kann“, sagt die Pharmazeutin.

Gegründet wurde das „Pharmacognostische Kabinett“ 1854 als Lehrsammlung für die angehenden Apotheker Kurhessens von Albert Wigand (1821 bis 1886), dem ersten Marburger Professor der Botanik und Pharmakognosie und Direktor des Botanischen Gartens.

Deutschlands größte Sammlung von Chinarinden

Damals mussten die Studierenden 120 Teesorten unterscheiden. Im Examen pulten sie fünf bis sechs zusammengemischte Teesorten auseinander, wogen und bestimmten sie. Damals war es wichtig, dass ein Apotheker echte Chinarinde erkennen konnte, die gegen Malaria sowie als Fieber- und Herzmittel eingesetzt wurde und bis heute gegen Husten verwendet wird. Dazu diente Deutschlands größte Sammlung von Chinarinden.

Getrocknete Eidechse stank bestialisch

Ein Teil der Drogen stammt aus dem Besitz von Albert Wigands Vater Friedrich, einem Apotheker aus Treysa. Daher stammen Kuriositäten wie die getrocknete Eidechse, die so stark stank, dass sie in Lavendelblüten eingebettet werden musste, aber als Aphrodisiakum galt. Dem Pharmazeuten, der einst eine Apotheke auf dem Marktplatz von Treysa führte, ist auch die Kollektion an weißen und roten Korallen, die getrockneten Asseln und die Schädeldecke einer Mumie zu verdanken.

Zu den Lieblingsobjekten von Barbara Rumpf zählt die Schwimmblase des Beluga-Störs - einst wurde sie dazu benutzt, medizinische Pflaster herzustellen. Bis heute wird sie als Leim in der Restauration verwendet.

In den Gläsern verbergen sich Harze und Kautschuk-Sorten, die für Pflaster, Lacke und Firnisse gebraucht wurden sowie Farben wie Indigo und andere Blaumacher. Aus China stammen die zusammengepappten roten Teeziegel, die zum Gebrauch abgeraspelt und überbrüht wurden. Barbara Rumpf bedauert den Verlust der einst umfangreichen Opiumsammlung, darunter kiloschwere Opiumkuchen. Auf Anraten der Polizei mussten sie vernichtet werden.

• Führungen durch das Pharmacognostische Cabinet im Institut für Pharmazeutische Biologie im Alten Botanischen Garten: Tel. 0 64 21/6 73 22, barbara@rumpf-marburg.de

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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