Der VdK zeigt Flagge: 500 Teilnehmer bei Demonstration gegen den Sozialabbau

Schwalm-Eder. Den Homberger Passanten zwischen Stadthalle und Marktplatz klingelten am Dienstag die Ohren: Knapp 500 Demonstranten bliesen am Nachmittag in ihre Trillerpfeifen, dass es schon beinahe schmerzte.

Und das sollte es auch. Mitglieder der drei VdK-Kreisverbände wollten mit ihrem lautstarken Protest auf die Folgen des Sparpakets der Bundesregierung aufmerksam machen und ein Zeichen für soziale Gerechtigkeit setzen.

Unter dem Motto „Jetzt reicht’s!“ protestierten Menschen aus dem ganzen Schwalm-Eder-Kreis gegen die Vorschläge zur Streichung der Rentengarantie, gegen eine Gesundheitsreform, die zu Lasten der sozial Benachteiligten gehe, und gegen eine immer größere Kluft zwischen Arm und Reich.

In Deutschland herrsche Armut in einem eigentlich doch so reichen Land: Diese Politik der sozialen Kälte könne man nicht länger hinnehmen, sagte Dr. Günther Schnell, stellvertretender Landesvorsitzender des Sozialverbandes VdK Thüringen-Hessen. Der drohende Sozialabbau führe zu mehr Armut im Land, mindere die Lebensqualität, schade der Demokratie und gefährde den inneren Frieden.

Dazu trage auch bei, dass Großbanken mit Milliardengeschenken bedacht würden und dann das Geld wieder als Boni an die ausschütteten, die die Bankenkrise verschuldet hätten. „Es kann doch nicht sein, dass kleine Leute den Gürtel zugunsten maroder Banken enger schnallen müssen!“, sagte Dr. Schnell. Er verwies auf die Hypo-Real-Estate- Holding, der erst im September Staatsgarantien von 40 Milliarden Euro zugesagt worden seien. Dafür würden längst nicht nur Gutverdienende, sondern auch Geringverdiener, chronisch Kranke, ältere Menschen und Hilfsbedürftige zur Kasse gebeten.

Mit Trillerpfeifen für die Gerechtigkeit

Zudem verhöhne die Politik jene, die aus vielerlei Gründen auf den Sozialstaat angewiesen seien. Knapp 125 000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren lebten in Hessen auf Sozialhilfeniveau, knapp 130 000 Menschen über 65 Jahren seien armutsgefährdet. Und knapp 15 Prozent der Einwohner Nordhessens lebten unterhalb der Armutsschwelle.

Der VdK verstehe sich als Lobby eben der Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, sagte Schnell. Für ihn stelle der Sozialstaat ein Modell der Zukunft, nicht der Vergangenheit dar. Dafür erhielt er donnernden Beifall und noch lautere Pfiffe aus den Trillerpfeifen.

Von Claudia Brandau und Diana Rissmann

Quelle: HNA

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