Odyssee im Internet: Rechnungen für nie erbrachte Dienstleistung

Plötzlich kam die Rechnung: Lothar Flaut (55) aus Wiera soll für eine Internet-Dienstleistung bezahlen, die er nie in Anspruch genommen haben will. Fotos: Ludwig

Schwalm-Eder. Als Lothar Flaut am 12. April in sein E-Mail-Postfach sah, begann für den Familienvater eine Odyssee im Onlinezeitalter. Was mit einer für ihn unerklärlichen Rechnung der Firma Win-Loads.Net in Höhe von 96 Euro begann, hat sich inzwischen zu einer Angelegenheit der Polizei ausgeweitet.

So wie Flaut sind tausende Nutzer von den dubiosen Geschäften dieser Firma betroffen, deren Mutterfirma ihren Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat.

Als Flaut die erste Rechnung geschickt bekam, war er noch unbesorgt. Schließlich konnte sich der 55-Jährige nicht erklären, für welche Dienstleistung ihm 96 Euro berechnet werden sollten. In dem Anschreiben bedankte sich die Firma Win-Loads.Net bei ihm für die Anmeldung für einen Jahreszugang. „Ich würde mich nie für irgendein Online-Abo anmelden“, sagt Flaut. Als er auf die Internetseite surfte, entdeckte er, dass es sich um ein Portal für kostenlose Downloads handelt.

Der Mann aus Wiera antwortete auf die E-Mail, legte Widerspruch ein und drohte mit einer Anzeige. Kurze Zeit später folgte eine Mahnung von Win-Loads.Net. Er habe, so hieß es in dem Schreiben, mit seiner Anmeldung auf sein Widerrufsrecht verzichtet. „Ich hab mich informiert. Es ist gar nicht möglich, auf dieses Recht zu verzichten“, sagt Flaut.

Mit der Mahnung war die Sache nicht erledigt: Es folgte eine weitere Mahnung, in der mit Kontopfändung, Strafanzeige und einem Eintrag in die Schufa gedroht wurde. Schließlich folgte ein Schreiben vom Inkassounternehmen Collector. Inzwischen war die Forderung auf 150 Euro angewachsen.

Keinen Cent bezahlt

„Wenn auf diese Weise Druck gemacht wird, kriegen viele Menschen Angst und zahlen“, glaubt Flaut. Auf Anraten der Verbraucherzentrale überwies er aber keinen Cent und stellte Strafanzeige bei der Polizei. Auch machte er die in dem Schreiben angegebene Volksbank darauf aufmerksam, dass einer ihrer Kunden zwielichtige Geschäfte über sie abwickele. Die Bank versprach, das Problem zu klären.

Auf dem letzten Schreiben des Inkassobüros entdeckte Flaut zwei Dinge: Dass er nun 160 Euro berappen sollte und dass sich die Bankverbindung geändert hatte.

In Internetforen hat sich Flaut mit anderen Betroffenen ausgetauscht. Einige hätten bezahlt, erzählt der Wieraer. Zu ihrem Schrecken hätten sie aber feststellen müssen, dass sie damit den Vertrag anerkennen. Weitere Rechnungen seien die Folge gewesen.

Lange Odyssee

„Was mich angesichts der vielen Berichte und Anzeigen von anderen Opfern wundert, ist, dass es offenbar ziemlich schwierig ist, solchen Leuten das Handwerk zu legen.“ Ihn wird die Odyssee noch eine Weile begleiten, da ist er sich sicher.

Quelle: HNA

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