Günther Treptow über die Klosterbühne

Theater-Profi mit „Wiener Schmäh“

Regisseur und Schauspieler: im Mittelpunkt steht für Günther Treptow das Menschsein. Foto: zhf

Merxhausen. Schauspieler, Künstler, Regisseur. Günther Treptow ist vieles. Er selbst bezeichnet sich am liebsten als Mensch: „Das beinhaltet für mich einfach alles“. Der Theater-Profi mit dem charmanten Wiener Schmäh sieht sich in der glücklichen Lage, Beruf und Menschsein nicht trennen zu müssen. Ob er lieber als Schauspieler auf, oder als Regisseur vor der Bühne steht – was immer Günther Treptow macht, er macht es mit Herzblut, ein Entweder-oder gibt es für ihn nicht.

Und doch kann der 1952 geborene Treptow gewisse Unterschiede nicht leugnen. Wenn er etwa als Schauspieler aktuell als Pilatus selbst im Rampenlicht steht, konzentriert er sich auf seine eigene Rolle. Als Regisseur und Berater schlüpft er hingegen gedanklich in viele verschiedene Rollen gleichzeitig, hat stets die Zusammenführung der einzelnen Charaktere zu einem funktionierenden Gesamtwerk im Auge. Das ist es, was ihn auch am Job des Regisseurs bei den Klosterspielen Merxhausen reizt. „Sich in ein Team einzufügen und herauszukitzeln, was jeder einzelne will, welche Ansprüche er an seine Rolle stellt, ist eine Herausforderung.“

Dieser Herausforderung stellt er sich in Merxhausen seit 20 Jahren, hat gemeinsam mit dem 200 Mitglieder zählenden Verein schon manches Stück auf die Bühne gebracht, von „Der Schneider von Ulm“ in 1992 bis „Die Schöne und das Biest“ vor zwei Jahren. Ob Profi oder Amateur, bei seiner Arbeit macht Treptow keinen Unterschied. Spürt er die Leidenschaft seiner Darsteller, lässt er sie laufen. „Amateure können manchmal offener und unbelasteter kreativ sein als Profis, wobei es immer gilt, sich auszuprobieren und den ein oder anderen Fehler in Kauf und als Teil eines notwendigen Prozesses der Charakterentwicklung hinzunehmen.“

Impulse per Telefon

So will er bei der diesjährigen Merxhäuser Inszenierung von „Der Glöckner von Notre Dame“ kein strenger Bühnendiktator sein. Ob kleine Nebenrolle oder Protagonist, wenn es nach ihm geht, soll sich jedes Ensemblemitglied in seiner Persönlichkeit ausleben können, ohne durch unnötige Regieanweisungen in ein Korsett gezwungen zu werden. „Andernfalls würden ja auch lauter kleine Treptows über die Bühne laufen.“ Damit das nicht passiert, wird eifrig geprobt. Auch wenn Treptow nicht immer dabei sein kann, lässt er seine Merxhäuser Truppe nie im Stich. Notfalls kommen Impulse per Telefon. Und wenn doch einmal etwas schief geht, findet er es nicht tragisch: „Wir sind schließlich alle nur Menschen, erst in zweiter Linie Schauspieler, Künstler oder Regisseur.“ (zhf)

Quelle: HNA

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