Reimund Groß war mit seiner Literaturbrauerei an der Homberger THS zu Gast

Theater im Taschenformat

Klassik mal anders: Schauspieler Reimund Groß trat vor Schülern der Homberger Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule auf. Foto: Ehl- von Unwerth

Homberg. Reimund Groß sitzt allein auf einer leeren Bühne vor einer Hundertschaft Oberstufenschülern. 70 Minuten lang trägt er einen Prosaklassiker der deutschen Literatur vor - ohne Textvorlage.

Einen Stuhl als Minimal-Requisit sowie Körper, Kopf und Stimme: Mehr benötigt der Schauspieler nicht, um Literatur auf unvergessliche Weise in Schülerhirne zu schmuggeln. Mit der theaterpädagogischen Arbeit seiner „Literaturbrauerei“ beeindruckte Groß jetzt in mehreren Auftritten die Gymnasiasten der Homberger Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule.

In Form einer Rezitation brachte er ihnen ETA Hoffmanns Schauerromantik „Der Sandmann“ sowie Theodor Fontanes gesellschaftskritischen Roman „Irrungen, Wirrungen“ nahe. Ohne aufwändiges Bühnenbild und ohne Kostümwechsel, allein durch Variationen in Gestik, Mimik, Atem-, Stimm- und Sprechtechnik: So transferierte Groß die werknah rezitierten Stücke mit all ihren unterschiedlichen Personen, Gedanken und Gefühlen in die Gegenwart.

Blitzschnell wechselte er durch verschiedene Sitzpositionen, unterschiedliche Gesichtsausdrücke oder sprachliche Besonderheiten zwischen den Charakteren. Zugleich tauchte er ab in einen emotionalen Hexenkessel aus Liebesfreud und innerer Zerrissenheit, Glück und Verzweiflung, exzessivem Gelächter und Zornesausbrüchen.

Er lege großen Wert darauf, den Schülern die Literatur früherer Jahrhunderte und besonders deren Sprache erfahrbar zu machen und ihnen so einen Zugang zu den Werken zu eröffnen, betonte der gebürtige Homberger.

Tatsächlich agierte er voller Hochachtung mit den sprachlichen Kunstwerken der Autoren, ohne diese gegen den Strich zu bürsten, zu aktualisieren oder parodistisch zu entfremden. Bei den Schülern kam diese außergewöhnliche Vortragsweise an: Sie zeigten sich überrascht, erstaunt und sichtlich fasziniert von der ungewohnten Darstellung. Zugleich ließen sie sich fesseln von literarischen Stoffen, die ihnen beim Lesen meist nur mühsam in Erinnerung bleiben. (zse)

Quelle: HNA

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