Theatermacher aus Hamburg zeigten Schillers "Die Räuber" in Fritzlar

Theatermacher aus Hamburg zeigten Schillers Klassiker in Fritzlar.

Fritzlar. "Die Räuber" waren los in den Mauern von Fritzlar. Wer erwartet hatte, dass Schüsse knallen, Säbel geschwungen werden und Kunstblut floss, wurde enttäuscht. Dafür blinkte verführerisch bunt ein Geldspielautomat, der wohl für das Lasterhafte stand.

Eine tragende Rolle spielte ein großes, helles Sofa auf der Kultursommer-Bühne. Auf dem und um das Möbelstück herum entwickelten sich die Ereignisse.

Wenn Ekstase und Leidenschaft gefordert waren, kamen Lichteffekte, Schlagzeug und leere Ölfässer zum dröhnenden Einsatz. Es war ein erregendes, klassisches Schauspiel in modernem Outfit, welches die Theatermacher aus Hamburg unter der Regie von Michael Jurgons lieferten.

Da gab es einige spektakuläre, grelle Szenen, in denen die Banditen auch mal hautnah den Zuschauern zwischen Dom und Rathaus auf den Pelz rückten. Und es gab eindringliche und affektgeladene Momente, wie im 5. Akt als Pastor Moser (Marc Laade) einen bedeutsamen Dialog mit Franz entfaltete und dem ins Gewissen redete.

Schillers emotionale, vitale Sprache beherrschte das Stück und stellte hohe Anforderungen an Darsteller und Zuhörer. In seinem hintergründigen, konfliktreichen Drama zeigt der große deutsche Dichter, wie Humanität und Moral auf der Strecke bleiben können, wenn der Mensch sich nicht darum bemüht. Im Mittelpunkt des Geschehens standen der alte Graf Maximilian von Moor (Jan Katzenberger), seine beiden verfeindeten Söhne Karl (Patrik Abozen) und Franz (Martin Heise) sowie Amalia (Diana Ebert), die treue, ehrliche Geliebte Karls. Rasant wechselten die Handlungen hin und her zwischen dem Grafenschloss, der Welt des alten Moors und dem öden Dunstkreis der Banditen. Zum musikalischen Einsatz kamen Schlagzeug, Ukulele und Akkordeon. Mit denen und einigen Liedern, die meist im Chor gesungen wurden, setzte Michael Reffi Akzente zu den Dialogen.

Und wie agierten eigentlich die Schauspieler? Die zentralen Figuren aber auch jeder Einzelne der Gruppe der Räuberbande bewältigten die Herausforderungen ihre Rollen mit Bravour. Elf Akteure, darunter eine Frau, zeigten ihre Kunst und Kompetenz und verliehen den gegensätzlichen Charakteren markanten Ausdruck. Manche stemmten sogar eine Doppelrolle. Gezeichnet von der Anstrengung, aber mit freudigen Gesichtern verbeugten sie sich kurz nach Mitternacht vor dem Publikum. Das war, begeistert von der eindrucksvollen Theaterleistung, aufgestanden und applaudierte stürmisch. Es schien, als hätten die Räuber die Herzen der Zuhörer erobert.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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