Theater ohne Ton

Schüler spielen Leben der Anne Frank für Gehörlose

Schüler spielen Leben der Anne Frank für Gehörlose

Homberg/Kassel. Sie stehen bewegungslos auf der Bühne. Mehrere Schüler knien, ihre Hände sind hinter dem Rücken verschränkt, ihr Haupt ist gesenkt, ihr Gesichtsausdruck verängstigt. Dahinter vier Personen mit symbolischen Pistolen in der Hand und sehr ernsten, teils wütenden Mienen.

Eingefroren ist das Standbild, das die Schüler der Hermann-Schafft-Schule in Homberg in einem Workshop dargestellt haben, doch verfehlt es nicht seine düstere Wirkung, die dem Thema entspricht: Das Leben der Anne Frank wird in sechs Standbildern gezeigt, als Vorbereitung für ein Theaterstück für Gehörlose.

Der Workshop ist sehr kurzweilig für die 56 Teilnehmer, haben sich doch schon alle mit diesem Thema beschäftigt. Mit Theater und Kultur hatten sie jedoch bisher wenig zu tun gehabt. Auslöser für die Theaterpädagogen Thomas Hof und Marco Faller vom Staatstheater in Kassel, ein Theaterstück speziell für Gehörlose zu entwerfen. Dabei herausgekommen ist das Ein-Frau-Stück "Anne Frank", welches von Sabrina Ceesay gespielt wird.

Die Schüler hätten noch keinerlei Möglichkeiten gehabt, sich ein Theaterstück anzuschauen, die Gehörbarrieren seien zu groß. "Wir wollen mit dem Stück die Inklusion fördern und neue Zielgruppen erschließen. Wenn das Pilotprojekt gut angenommen wird, können wir solch eine Veranstaltung auch regelmäßig anbieten", sagt Marco Faller. Durch den Workshop seien die Schüler perfekt auf das Schauspiel vorbereitet und könnten auch besser mit der schwierigen Thematik umgehen.

Um sowohl Personen, die völlig gehörlos sind, als auch solchen, die sehr schlecht hören können, einen schönen Abend zu bieten, wurde technisch Einiges geleistet: Als Gebärden-Dolmetscherin wird Katharina Klauke am Bühnenrand übersetzen. "Wir haben vor, die Übersetzung per Fernseher ins Theater zu übertragen und den Raum extra zu beschallen", erläutert Faller. Die Zuschauer können so gleichzeitig Gestik und Mimik der Schauspielerin und die Gebärden der Dolmetscherin sehen.

Der technische Aufwand ist es auch, der die Theaterpädagogen dazu bewogen hat, erst einmal ein Stück mit nur einer Person aufzuführen. Die Schüler, die das Stück ansehen werden, sind zwischen 14 und 18 Jahren alt und sollen an Kultur herangeführt werden. Das Schauspiel wird am Freitagvormittag im Theater im Fridericianum in Kassel aufgeführt. Die 100 Plätze seien bereits jetzt ausverkauft.

Die Hermann-Schafft-Schule ist eine Institution des Landeswohlfahrtsverbandes und hat die Förderschwerpunkte Hören und Sehen. Ihr Einzugsgebiet umfasst den Regierungsbezirk Kassel sowie die nördlichen Teile der Kreise Vogelsberg und Marburg-Biedenkopf.

Von Leona Nieswandt

Quelle: HNA

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