Therapeut erschlich sich Sex - Verfahren eingestellt

Fritzlar. Das Amtsgericht Fritzlar stellte das Verfahren gegen einen 55 Jahre alten Therapeuten aus Homberg wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs und der Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses vorläufig und für die Dauer von sechs Monaten ein.

Der Mann muss 3000 Euro innerhalb eines halben Jahres zur Wiedergutmachung an die geschädigte Frau bezahlen. Zu Beginn des Strafverfahrens warf die Staatsanwältin dem Angeklagten vor, dass er im Februar 2009 als Therapeut in einer Klinik beschäftigt und beauftragt war, zu der Geschädigten ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen.

Er habe die Situation, in der sich die hilfesuchende Frau befand, ausgenutzt, um Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben. Das soll viermal in der Klinik und dreimal in seiner Wohnung geschehen sein.

Richter Christian Beholz wies vor der Beweisaufnahme daraufhin, dass vom Angeklagten bereits eingeräumt wurde, dass er sexuellen Kontakt zu der Frau hatte. Nach Aktenlage und den Erkenntnissen aus Ermittlungen sei es für das Gericht aber offen, ob strafrechtlich ein Tatbestand vorliege oder nicht. Auch habe der Mann seine Arbeitsstelle in der Klinik verloren. Um der Frau und den Zeugen Aussagen zu ersparen, schlug der Richter vor, das Verfahren gegen Zahlung von 3000 Euro an die Geschädigte vorläufig und für die Dauer von sechs Monaten einzustellen.

Die Staatsanwältin stimmte der Empfehlung unter der Bedingung zu, dass alle Prozessbeteiligten vor Beginn der Beweisaufnahme damit einverstanden sind. Der Verteidiger sagte: „Mein Mandant ist einverstanden und nimmt den Vorschlag an, obwohl er arbeitslos ist“.

Die als Nebenklägerin auftretende Frau war sich zunächst unschlüssig darüber, ob sie der richterlichen Anregung folgen soll. Sie sagte: „Er war mein Therapeut und es ging mir damals beschissen. Es war eine extreme Belastung für mich.“ Die Staatsanwältin sagte zu der Frau: „Sie haben das Gefühl, dass Unrecht geschehen ist. Sie wollen Bestrafung. Nicht alles, was sie für schlecht empfinden ist strafbar. Auch wenn das Gericht eine Strafe ausspreche, mache diese erlittenes Unrecht nicht ungeschehen.“

Sie erinnerte daran, dass Aussage gegen Aussage stehe. Nach einer Beratung mit ihrer Rechtsanwältin folgte die Frau dem Vorschlag des Richters. Die Beweisaufnahme entfiel, die Zeugen wurden entlassen. Alle Prozessbeteiligten gaben ihr Einverständnis, dass das Verfahren eingestellt wird, wenn die Zahlung pünktlich erfolgt ist. In dem Fall gilt der Mann als nicht vorbestraft.

Sollte der 55-jährige Mann die Auflage des Gerichts jedoch nicht erfüllen, wird gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet.

Quelle: HNA

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