„Freach“ – Neue Online-Plattform des Parlo-Instituts und der Kasseler Stottertherapie

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Die Testversion im Einsatz: Astrid Mühle Ferreira, Logopädin aus Brasilien, und Alexander Wolff von Gudenberg, Leiter des Sprachtherapie-Instituts Parlo, erproben die Therapie-Plattform „freach“.

Bad Emstal. Eine neue Art der Sprachtherapie für Stotterer verbindet nun Bad Emstal mit Brasilien. Das Forschungsinstitut Parlo und die Kasseler Stottertherapie haben ein Online-Programm entwickelt, das sprachgestörten Menschen ermöglicht, sich zu virtuellen Gruppentherapien zu treffen.

„Freach“ heißt das Pilotprojekt, das Institutsleiter Alexander Wolff von Gudenberg in Kooperation mit dem brasilianischen Sprachtherapiezentrum Clinica Potencial in Sao Paulo auf den Weg bringen will. „Freach“ steht für „free speaking“, freies Sprechen – das ist das Ziel. Das Prinzip der Erfindung: Ein Sprachtherapeut und seine Patienten loggen sich über das Internet auf der Plattform ein. Über ein Headset können sich die Teilnehmer hören und miteinander sprechen.

Doch wieso eine eigene Plattform einrichten und nicht herkömmliche Internettelefonie-Anbieter wie Skype nutzen? „Es hat sich gezeigt, dass wir für die telemedizinischen Therapien spezielle Funktionen brauchen“, erklärt von Gudenberg, Gründer und Leiter von Parlo und des Instituts Kasseler Stottertherapie. „Freach“ kann beispielsweise Sprachfehler erkennen. Gesprochenes können die Teilnehmer auf einfache Weise hochladen und gemeinsam auswerten. Aus Gründen des Datenschutzes sei es auch notwendig, einen eigenen Server zu haben.

Dass das Online-Therapieangebot in Zusammenarbeit mit Brasilien erprobt wird, habe laut von Gudenberg mehrere Gründe. „Brasilien ist ein großer Staat, mit teilweise schlechter Infrastruktur und großer Distanz zu sprachtherapeutischer Versorgung, aber mit einer überwiegend guten Breitband-Anbindung.“ Aus diesen Gründen sei dort Telemedizin, also Therapiesitzungen per Internet und Telefon, weit verbreitet. Ab Mitte 2012 sollen sprach- und sprechbehinderte Erwachsene und Kinder in Brasilien mithilfe von „freach“ behandelt werden.

Koordinatorin des Projekts ist Astrid Mühle Ferreira aus Brasilien. In Bad Emstal wird die Deutsch und Portugiesisch sprechende Logopädin derzeit in der Handhabung der telemedizinischen Plattform geschult. Zusammen mit dem Parlo-Institut werde sie Therapieprogramme für unterschiedliche Sprachstörungen entwickeln. „Ich bin sicher, dass das Projekt großen Erfolg haben wird“, sagt Ferreira.

Von Gudenberg sieht in der neuen Therapieform vor allem einen Vorteil: Diese Form der Therapie kann man beliebig oft wiederholen, bequem von zuhause aus. „Diese Therapie lässt sich gut in den Alltag integrieren.“

Viele Unterstützer

Das Pilotprojekt wird mit etwa 163 000 Euro aus Mitteln des Landes Hessen und des europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt. Die wissenschaftliche Begleitung erbringen Prof. Harald Euler aus Kassel und Prof. Katrin Neumann von der Universität Frankfurt. Parlo entwickelt die Plattform „freach“ gemeinsam mit der vitero-GmbH aus Stuttgart.

Von Claudia Hempel

Quelle: HNA

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