Thorsten Vaupel blickt auf sein erstes halbes Jahr als Frielendorfer Bürgermeister zurück

Angekommen in der Großgemeinde: Auch mit kleinen Schritten kommt man vorwärts. Das stellt Thorsten Vaupel fest. Der Frielendorfer Bürgermeister hat seine ersten Monate im neuen Job hinter sich. Foto: Grede

Frielendorf. Der Mann der kleinen Schritte

Die ersten Monate als Frielendorfs Bürgermeister hat Thorsten Vaupel hinter sich gebracht. Sein Resumee: Einerseits habe er die Gestaltung seines neuen Jobs im vornherein richtig eingeschätzt, lernen musste er allerdings, dass sich Ideen in der Kommunalpolitik eher in kleinen Schritten umsetzen lassen: „Anfangs habe ich gedacht, das ginge schneller.“

Chef ist er jetzt für 60 Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung,im Bauhof und in den kommunalen Kindergärten, da wurde schnell klar, dass er mit knappen Personalressourcen, insbesondere im Finanzbereich, umgehen muss. Die meisten Menschen kämen ins Rathaus um gelbe Säcke abzuholen, da sei es bedauerlich, dass die „öffentliche Arbeit“, auch den Bauhof betreffend, vielfach so negativ wahrgenommen werde. Vaupel ist bestrebt, den Personalbestand zu halten, „sonst büßen wir an Leistungsfähigkeit ein“. Zudem seien die Arbeitszeitkonten bei vielen Mitarbeitern bereits überschritten.

Grundsätzlich empfindet Vaupel das Klima im Rathaus als gut. Dort ist er bemüht, so viel Präsenz wie möglich zu zeigen, ein Arbeitstag von acht bis 18 Uhr, häufig mit zusätzlichen Abendterminen, sei die Regel. Dennoch hat sich sein soziales Leben verändert. „Ein Spaziergang mit der Familie klappt noch, aber mit dem ehrenamtlichen Engagement wird’s schwierig“, meint der 46-Jährige. Ein Termin im Kalender ist allerdings geblockt, Mittwochabend ist die Todenhäuser Feuerwehr dran. „Das dient der Reflexion, da kann ich abschalten“, sagt er.

Zu dem, was er als „Traumjob“ bezeichnet, gehört aber nicht nur Verwaltungsarbeit. In den 16 Ortsteilen ist er angekommen, hat neue Bekanntschaften geschlossen, Duzfreunde gewonnen. Auch das musste er lernen: Ein wenig ist man als Bürgermeister auch Entertainer. Zum Beispiel habe er die Feuerrede bei der Sonnenwendfeier des Knüllgebirgsvereins in Feuerwehrmontur gehalten.

Ältestenrat tagt regelmäßig

Als Erfolg wertet er die spürbare Anerkennung der Frielendorfer, Basis dafür sei unbedingt Glaubwürdigkeit und Offenheit. Für Transparenz beispielsweise sollen die regelmäßigen Treffen des Ältestenrates sorgen. Diesem Gremium gehören der Vorsitzende der Gemeindevertretung, die Fraktionsvorsitzenden, der Haupt- und Finanzausschuss und der Bürgermeister an. Sie setzen sich im Vorfeld der Gemeindevertretersitzungen zusammen. „Auf diese Weise haben alle Fraktionen den selben Informationsstand“, ist Vaupel überzeugt.

Richtig ist aus seiner Sicht die Teilnahme am Kommunalen Schutzschirm, dem Entschuldungsprogramm des Landes. Immerhin ist der Schuldenstand der Gemeinde damit um knapp 18 Millionen Euro gesunken. „In kleinen Schritten“ will Vaupel auch die interkommunale Zusammenarbeit weiter umsetzen. Eine gemeinsame Kasse mit Homberg gibt es bereits, fortgesetzt werden könnte das im Finanzbereich. Beim Brandschutz wäre für Vaupel eine große Einkaufsgemeinschaft vorstellbar, um Kosten zu sparen. Angesichts steigender Übernachtungszahlen bewertet er den Frielendorfer Tourismus positiv. Über das überregionale Tourismuskonzept müsse allerdings nachgedacht werden: „Ist die dezentrale Aufstellung sinnvoll? Wäre es nicht besser an einem Strang zu ziehen?“ Beim weiteren Blick nach vorne bleibt Vaupel bescheiden: „Wir wollen die Infrastruktur erhalten, ich will mir keine Denkmäler setzen.“ (syg)

Quelle: HNA

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