Ein Großteil der Borkener Schulden kommt durch den Kanalbau zustande – 65 Millionen seit 1990 verbuddelt

Tief vergraben sind Millionen

Aus der Luft: Die Kläranlage in Gombeth ist eine von zweien in Borken. Rechts die Schwalm. Foto: Google Earth/nh

Borken. Die Stadt Borken, das ist bekannt, hat Schulden und zwar nicht zu knapp. 32 Millionen Euro sind es insgesamt, pro Einwohner sind das mehr als 2200 Euro. Der Grund für mehr als die Hälfte der Schulden liegt unter der Erde – in Form von Rohren für Wasser und Abwasser.

Seit 1990 hat die Stadt allein in die Abwasserbeseitigung 65 Millionen Euro gesteckt. 36 Millionen davon kamen durch Landesgeld, Zuschüsse und Beiträge der Borkener wieder in die Kasse.

Das Problem ist Borkens Größe. 15 Stadtteile mit 14 113 Einwohnern sind über eine Fläche von 82 Quadratkilometern verteilt. Zum Vergleich: Die Fläche von Kassel beträgt 106 Quadratkilometer bei fast 195 000 Einwohnern. Alternativen hatte die Kommunalpolitik nicht, sagt Bürgermeister Bernd Heßler. Die Vorgaben der EU, des Bundes und des Landes hätten es nicht erlaubt, einfach private Klärgruben zuzulassen.

Das, so erklärt Heßler, wäre sogar strafbar. Er persönlich als Bürgermeister hätte belangt werden können, wenn die Richtlinien nicht umgesetzt worden wären.

Die Lösung mit zwei Kläranlagen in Gombeth und Trockenerfurth sei nach Einschätzung von Experten die günstigste gewesen. An diese Anlagen sind inzwischen alle Stadtteile sowie Neuental-Römersberg und der Neuenhainer See angeschlossen.

Auf 150 Kilometer schätzt Thomas König von den Borkener Stadtwerken die Gesamtlänge der Abwasserrohre, davon 50 zwischen den Ortschaften. Acht Regenüberlaufbecken und sechs Abwasserpumperwerke, die das Wasser zum Teil mit Druckluft befördern, gehören zur aufwändigen Technik.

Hügelige Lage

Die hügelige Lage Borkens erhöht den Aufwand für den Transport des Wassers noch deutlich. Zurzeit bezahlen die Borkener 4,50 Euro für den Kubikmeter Abwasser. Dieser Betrag decke die Kosten, allerdings ohne die kalkulatorischen Kosten, also Zinsen und Abschreibungen, sagt die Stadt. Würde man das noch hinzurechnen, müssten 5,63 Euro veranschlagt werden.

Bei sinkenden Einwohnerzahlen und sinkendem Verbrauch, auch weil die Kunden Wasser sparen, müssen die Kosten für Instandhaltungen auf immer weniger Menschen umgelegt werden. Bürgermeister Heßler ist mit dem Schuldenabbau und mit der Versorgung zufrieden. Von den 29 Millionen Euro, die als Schulden für die Stadt blieben, seien 25 Millionen Euro über Kredite abgedeckt, der Rest wurde aus Steuern beglichen. 10,1 Millionen seien bereits getilgt, 14,9 Millionen bleiben noch übrig. 2017, so eine Prognose, wird die Stadt schuldenfrei sein.

„Es war eine Mammutaufgabe“, sagt Thomas König rückblicken über den Bau des Kanalnetzes, die Kläranlagen, Pumpwerke und Rückhaltebecken. Eine teure Mammutaufgabe zudem, die – um das Unwort des Jahres 2010 zu benutzen – alternativlos war.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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