Tierschutzverein: Ohne Chip keinen Schutz

Homberg/Borken. Ein lauter Knall, eine läufige Hündin oder einfach nur Orientierungslosigkeit – ein Tier ist ganz schnell weggelaufen. Ohne professionelle Hilfe ist das Wiederfinden des Tieres reine Glückssache. Doch nur jedes dritte Haustier ist registriert und damit im Verlustfall geschützt.

Gerade jetzt, im Frühjahr, wittern viele Hunde ihre Chance und reißen aus. „Das kann einem auch beim Gassi gehen mit einem sehr gut erzogenen Hund passieren“, sagt Sonja Hentschel. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Homberg/Borken weiß genau, wovon sie spricht. Denn gerade in den vergangenen Wochen hat das Telefon des Tierschutzvereins besonders häufig geklingelt. „Es wurden wieder mehr Fundhunde bei uns abgegeben.“

Sechs Hunde waren es an zwei Wochenenden. „Es ist jetzt Frühjahr, viele Hündinnen sind läufig und Wildtiere wie Hasen und Rehe bekommen jetzt Nachwuchs“, nennt Hentschel Gründe dafür, warum die Hunde sich auf die Jagd machen.

Wird ein entlaufener Hund eingefangen, sei es oft schwer, die Halter zu ermitteln. „Viele Hunde besitzen keinen Chip“, sagt Hentschel. Ein Chip ist wie eine Erkennungsmarke. Sie wird unter die Haut des Tieres gesetzt (siehe Hintergrund). Doch vorgeschrieben ist sie nicht.

Doch hat ein Hund keinen Chip, erschwert es den Mitarbeitern des Tierschutzvereins die Arbeit. Vor allem dann, wenn ein vierbeiniger Rumstreuner am Wochenende aufgefunden wird. „Dann bringt die Steuermarke am Halsband auch nicht viel, weil wir bei den Behörden niemanden erreichen“, spricht Hentschel aus Erfahrung. „Ältere Hunde haben oft noch eine Tätowierung im Ohr, doch viele seien nicht mehr lesbar. Und: Für junge Hunde gebe es diese Tätowierungen nicht mehr. An ihre Stelle sollten die Chips treten“, erklärt Hentschel. Doch die kosten Geld und sind keine Pflicht.

Besonders ärgerlich sei es, wenn ein Tier einen Chip implaniert bekommen hat, dies aber nirgends vermerkt sei: „Dann ist der Chip sinnlos.“ Deshalb rät die Tierschützerin, gleich nach dem Chippen dies auch im Internet in die kostenlosen Melderegister des Deutschen Tierschutzbundes und von Tasso.de einzutragen.

„Es ist außerdem gerade jetzt wichtig, mit den Hunden nicht quer durch die Landschaft zu laufen oder sie gar frei laufen zu lassen, um die Wildtiere zu schützen“, sagt Hentschel.

• Der Tierschutzverein Homberg/Borken ist werktags bis 20 Uhr zu erreichen. Samstags und sonntags gibt es von 9 bis 19 Uhr einen Notdienst. Telefon: 06693/1477.

Hintergrund: Der Mikrochip

Die früher gängige Tätowierung wird heute mehr und mehr durch den Mikrochip - auch Transponder genannt – abgelöst. Dabei wird dem Tier mit einer Spritze ein 12 x 2 Millimeter großer Transponder ins Gewebe in die linke Nackenseite (international normierte Stelle) injiziert. Die Chips werden von Tierärzten unter die Haut des Tieres gesetzt. Dafür entstehen Kosten von etwa 35 Euro. Der Chip belaste und störe das Tier nicht, zudem sei die Implantierung einfach, schnell und schmerzfrei, wie eine Impfung, sagt Sonja Hentschel. Eine Betäubung sei nicht erforderlich.

„Der Chip ist fälschungs- und hat ein Tierleben lang Bestand“, heißt es auf der Internetseite der kostenlosen Tierregistrierung Tasso. Zudem habe der Chip internationale Gültigkeit.

Quelle: HNA

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