Kampfhelikopter sind in Fritzlar stationiert

Bundeswehr-Hubschrauber Tiger in Mali abgestürzt: Zwei Soldaten tot

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Gefährlicher Einsatz in Afrika: Im März 2017 kamen Kampfhubschrauber des Typs Tiger nach Mali. Grund war die Friedensmission Minusma. Zwei Bundeswehrsoldaten starben am Mittwoch beim Absturz eines solchen Helikopters.

Fritzlar. Ein Bundeswehr-Hubschrauber vom Typ Tiger mit zwei deutschen Piloten an Bord ist in Mali abgestürzt. Beide Soldaten sind beim Absturz gestorben. Stationiert sind die Helikopter in Fritzlar.

Wir halten Sie auch heute, Donnerstag, hier auf dem Laufenden.

Aktualisiert am 27. Juli 2017 um 6.46 Uhr - Der Sprecher der UN-Friedensmission in Mali, Ahmad Makaila, bestätigte am Mittwochabend den Absturz. Beide Soldaten sind dabei gestorben, teilte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU, 58) am späten Mittwochabend bei einem kurzfristig anberaumten Pressestermin in Berlin mit. Die Absturzursache sei noch unklar, ein Abschuss des Kampfhubschraubers werde derzeit ausgeschlossen. Woher die beiden Soldaten stammen, ist bislang nicht bekannt. Fragen von Journalisten wollte die Verteidigungsministerin am Abend nicht beantworten.

Am Donnerstag steht nun die Forschung nach der Ursache für die Bundeswehr im Vordergrund. Nach Informationen der Deutschen Presse Agentur gibt es Hinweise auf ein technisches Versagen als Grund für den tödlichen Unfall. 

Der Hubschrauber war für die UN-Friedensmission Minusma (United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission In Mali) in dem afrikanischen Land unterwegs. Laut Verteidigungsministerium sei der Tiger gegen 14.20 Uhr 70 Kilometer nördlich von Gao abgestürzt. Der Hubschrauber sei ausgebrannt, es habe keinen Notruf aus der Maschine gegeben.

Der Hubschrauber stürzte bei der Beobachtung von Kampfhandlungen am Boden ab, sagte ein Sprecher des UN-Generalsekretärs zuvor in New York.  Spiegel Online berichtet, dass zwei Hubschrauber am Nachmittag von der UNO zu einem Einsatz nördlich von Gao angefordert worden waren, weil dort offenbar ein Konvoi unter Feuer geraten war. Die zwei Tiger sollten die Truppen laut Medienberichten am Boden unterstützen. Warum einer der Helicopter dann abstürzte, ist weiter unklar. Laut Verteidigungsministerium hätten die Untersuchungen bereits begonnen, die Aufklärung dauere noch. Laut Bild.de gebe es keinen Hinweis, dass auf den Hubschrauber „geschossen“ worden sei. „Für uns ist es ein Unfall", heiße es aus UN-Kreisen in Gao.

Erste Todesfälle bei Auslandseinsatz seit 2015

Es handelt sich um die ersten Todesfälle der Bundeswehr in einem Auslandseinsatz seit fast zwei Jahren - und die ersten während von der Leyens Amtszeit. Zuletzt waren im September 2015 deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. Von der Leyen betonte am Abend, der Tod der Soldaten mache sie "unendlich traurig" und sie verneige sich vor den Leistungen und dem Opfer der Soldaten. Wie sie sagte, zeige der Vorfall ein weiteres Mal, wie viel die Soldaten zu geben bereit seien. 

Als am späten Nachmittag bekannt wurde, dass ein Hubschrauber abgestürzt war, brach von der Leyen einen Termin in Pöcking (Landkreis Starnberg in Bayern) ab und flog nach Berlin zurück. Ein Sprecher der Bundeswehr sprach dort zunächst von einem "ernsten Zwischenfall in einem Einsatzland".  

Vier Tiger-Kampfhubschrauber der Bundeswehr sind in Mali im Einsatz: Jeweils zwei befinden sich im Einsatz, zwei weitere in Reserve. 

Vor dem UN-Einsatz in Mali: Einer der Tiger vom Fritzlarer Kampfhubschrauber-Regiment Kurhessen wird verladen. Im März startete der Transport aus der Georg-Friedrich-Kaserne in Richtung Afrika.

Kampfhubschrauber vom Typ Tiger waren 2013 bis 2014 auch schon in Afghanistan im Einsatz gewesen, zur Aufklärung, zur Unterstützung von Bodentruppen sowie als Begleitschutz für Transporthubschrauber. Bis Ende Januar hat das Kampfhubschrauberregiment 36 eine Rotte (zwei Maschinen) in Abrufbereitschaft für die European Battle Group gestellt. Sie dienen der schnellen militärischen Krisenreaktion. 

Das Kampfhubschrauberregiment 36 „Kurhessen“ ist Teil der Division Schnelle Kräfte des deutschen Heeres und als ein fliegender Kampfverband speziell für die Panzerabwehr ausgerüstet. Heimatstandort ist die Georg-Friedrich-Kaserne auf dem Heeresflugplatz in Fritzlar.

Hubschrauber aus Fritzlar starteten im März nach Mali

Die Kampfhubschrauber aus Fritzlar waren im März in den Mali-Einsatz gestartet. Im April hatte das in Fritzlar stationierte Kampfhubschrauberregiment 36 über Fuldabrück (Kreis Kassel) mit Blick auf den Einsatz nachts Flüge geübt. Auch über Hessisch Lichtenau im Werra-Meißner-Kreis trainierten die Soldaten. Ebenfalls im April wurde bekannt, dass das extreme Klima in Mali der Bundeswehr zu schaffen macht: Es ist dort so heiß, dass der Kampfhubschrauber Tiger eine Sonderfreigabe zum Flug braucht.

Der Bundestag hatte im Januar beschlossen, den deutschen Einsatz in Mali auszuweiten. Demnach können sich bis zu 1000 deutsche Soldaten am etwa 15.000 Soldaten und Polizisten umfassenden UN-Einsatz Minusma beteiligen. Aufgabe ist die Überwachung des Friedensabkommens zwischen der Regierung und den Rebellen. Diese Mission gilt nach Informationen der Deutschen Presse Agentur als derzeit wohl gefährlichste der Bundeswehr. Immer wieder kommt es dazu, das Friedenstruppen der UN und malische Streitkräfte angegriffen werden. Vereinigungen wie das Terror-Netzwerk Al Kaida sind im nördlichen Mali immer wieder aktiv. Derzeit beteiligen sich 875 Bundeswehr-Soldaten an der Mission in Mali. Die Truppe ist in der ehemaligen Rebellenhochburg Gao stationiert.

Blauhelmsoldaten im März in Mali getötet

Bei einem Hubschrauberabsturz im Norden Malis im März waren zwei niederländische Blauhelmsoldaten ums Leben gekommen. Die Besatzung habe aus unbekannten Gründen nahe der Stadt Gao eine Notlandung versucht, dabei sei der Hubschrauber abgestürzt.

Probleme mit dem Tiger

Mit dem Tiger gibt es immer wieder Probleme. Zuletzt fehlten Piloten, um das Gerät zu fliegen. Der "Expertiseverlust" werde zunehmend zu einem "flugsicherheitsrelevanten Thema", hieß es im Juni in einem internen Bericht des Kommandos Heer, aus dem der "Spiegel" zitiert hatte. Eine Handvoll Piloten werde für alle Übungs- und Schießvorhaben sowie Einsätze und einsatzgleiche Verpflichtungen herangezogen. Sie würden der hohen zeitlichen Belastung nicht mehr standhalten, hieß es in dem Bericht.

Tiger Helicopter der Bundeswehr stürzte 2013 ab

Im Jahr 2013 waren zwei Fritzlarer Soldaten beim Absturz eines Kampfhubschraubers Tiger in den Alpen leicht verletzt worden. Das Unglück ereignete sich damals im Landkreis Garmisch-Patenkirchen. Zwei Soldaten aus Fritzlar wurden bei dem Unfall leicht verletzt. In einer Bilderstrecke hatten wir damals Fotos vom Absturzort gesammelt.

Daten zum Eurocopter Tiger

Der Eurocopter Tiger ist ein Kampfhubschrauber von Airbus Helicopters. Zur Besatzung gehören ein Pilot und ein Bordschütze. Der Tiger ist etwa 14 Meter lang und kann laut Bundeswehr 290 Kilometer pro Stunde schnell fliegen - ohne Bewaffnung sogar bis zu 315 km/h. Die Einsatzreichweite beträgt bis zu 725 Kilometer, die sogenannte Dienstgipfelhöhe 4000 Meter.

(mit dpa)

Kampfhubschrauber aus Fritzlar starten in Mali-Einsatz

Quelle: HNA

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