Ungewöhnlicher Auftrag

So stellt Jörg Ebert aus Guxhagen Möbel aus 6000 Jahre altem Eichenholz her

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Bei der Arbeit: In seiner Tischlerei bearbeitet Jörg Ebert derzeit 6000 Jahre altes Eichenholz. Links steht ein Vitrinenschrank. Dort fehlen noch Schubkästen und Türen.

Büchenwerra. Tischlermeister Jörg Ebert aus Guxhagen arbeitet gerade an einem ungewöhnlichem Auftrag: Tische, Schränke und ein Sekretär aus 6000 Jahre altem Eichenholz.

„Mit solchem Holz habe ich noch nie gearbeitet." Normalerweise seien Möbel aus Holz, das etwa ein halbes Jahr alt ist.

Im vergangenen Jahr kam der im Oktober verstorbene Hubert Biehler, ehemaliger Leiter des Volkswagenwerks in Baunatal, mit einer besonderen Bitte auf den Tischler zu. „Er hatte über Jahre in seinem Garten uralte Baumstämme gelagert, aus denen ich für ihn und seine Kinder Möbel machen sollte“, erzählt Ebert. Das Holz war zehn Meter unter der Erde gefunden worden, als bei Fulda die ICE-Trasse gebaut wurde. „Er hatte sich die Stämme gesichert und bestimmt 30 Jahre lang im Garten aufbewahrt“, sagt Ebert.

Dass er einen seltenen Schatz im Garten beherbergt, erfuhr Biehler bereits 1989. Er hatte eine Scheibe der Eiche zur Untersuchung ans Institut für Ur- und Frühgeschichte der Kölner Universität geschickt. Das Ergebnis: Der Baum ist zwischen 3729 und 3779 vor Christus abgestorben. „Das kann man sich doch gar nicht vorstellen“, sagt Ebert. Die beiden Stämme sind etwa sechs Meter lang und haben einen Durchmesser von etwa 80 Zentimeter.

Die Eiche ist sehr witterungsbeständig

Etwa 100 Jahre dürfte der Baum laut den Jahresringen in der Rinde gelebt haben. „Ich vermute, dass er irgendwann abgestorben und dann noch über 20 Jahre trocken im Wald gestanden hat“, sagt Ebert. Irgendwann könnte der Baum abgebrochen, ins Tal gerutscht und schließlich verschüttet worden sein, vermutet der Tischler. Unter der Erde müsse er dann nahezu luftdicht gelagert haben. „Denn der Stamm ist in einem Top-Zustand.“ Normalerweise würde Holz über so viele Jahre verrotten, „aber die Eiche ist sehr witterungsbeständig“. „Sie ist die einzige, die sowas durchhält.“

Lagerung: Das gesägte Holz auf dem Dachboden. Daraus entstehen nun nach und nach Möbelstücke.

Biehler bestellte bei Ebert fünf Möbelstücke: Vier für seine Kinder und eines für sich selbst. „Er wollte, dass die Kinder etwas Beständiges bekommen, was sie ihr Leben lang begleitet“, sagt Ebert. Biehler verstarb im Oktober, daher wurden aus der ursprünglichen Bestellung von fünf nur noch vier Möbelstücke. „Der Kunde hat lange nach einem Schreiner gesucht, der den Auftrag annimmt. Denn es gibt nur noch wenige, die überhaupt Vollholz bearbeiten“, sagt Ebert. Der Vitrinenschrank ist schon fast fertig, Türen und Schubladen fehlen noch. Bis zu 120 Arbeitsstunden dauert es vom Entwurf bis zum fertigen Schrank.

Hinweise: Der Stamm zeigt deutlich, dass er irgendwann abgebrochen sein muss.

Die Verarbeitung des 6000 Jahre alten Holzes habe es in sich, sagt Ebert. „Die Werkzeuge werden schnell stumpf und es riecht wie Gummi, wenn man es sägt.“ Zudem sei es nicht ganz einfach, das Holz so zusammenzusetzen, dass ein nahezu homogenes Bild entsteht. Denn das Holz habe durch die jahrelange Erdlagerung eine interessante dunkle Färbung angenommen. Das komme insbesondere von der vielen Gerbsäure, die Eichenholz enthält. Sie reagiert mit chemischen Substanzen, so Ebert. „Außerdem lagern sich ja auch Erdpigmente im Holz ab.“ Der Kubikmeter Holz der Mooreiche beläuft sich auf etwa 12.000 Euro, schätzt Ebert. Normales Eichenholz von guter Qualität liege bei 1500 pro Kubikmeter.

Quelle: HNA

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