Fall Sabrina H.: Laura - eine Heldin mit acht Jahren

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Utreilsverkündung: Volker Mütze (vorn), Vorsitzender Richter der 6. Strafkammer am Kasseler Landgericht, am gestrigen letzten Verhandlungstag.

Felsberg/Kassel. Die Hauptperson im Prozess wegen zweifachen Mordversuchs gegen Sabrina H. war selbst nicht im Gerichtsaal: Laura, die heute zehn Jahre alte Tochter der Verurteilten.

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Laura ist offenbar ein mutiges und intelligentes Mädchen. Sie sorgte mit ihrem Einsatz dafür, dass sie selbst, ihr achtjähriger Bruder Niklas und Sabrina H. noch am Leben sind – und dafür, dass ihre Mutter nun für fünf Jahre ins Gefängnis kommt. Am Donnerstag wurde vor dem Landgericht Kassel dieses Urteil gesprochen.

Was Laura leistete, dürfte ohne Beispiel sein. Als in der Feldgemarkung bei Felsberg-Helmshausen die Abgase ins Auto strömten, hielt die damals Achtjährige sich die Nase zu und die Luft an. Sie atmete nur alle dreißig Sekunden und verhinderte so, dass die Gasmenge in ihrem Körper nicht zur tödlichen Dosis anwachsen konnte.

Immere wieder fragte Laura ihre Mutter, wie lange man das noch aushalten müsste. Als Sabrina H. nicht mehr reagierte, handelte die Tochter. Laura kletterte aus dem Auto und versuchte, auch ihren Bruder aus dem Wagen zu ziehen. Doch dazu war sie zu schwach.

Aber Laura gab nicht auf – sie handelte weiter.

Glaubhafter Hilferuf

Es war mitten in der Nacht, also stockdunkel, es regnete, und das Mädchen kannte sich in der Gegend nicht aus. Trotzdem machte sie sich auf den Weg. Lief einen Kilometer bis zum nächsten Ort Helmshausen, wo sie in einem Haus am Ortsrand noch Licht sah. Das Mädchen klingelte und fand bei einer Frau Gehör. Laura schilderte ihre abenteuerliche Geschichte nicht aufgeregt und verzweifelt, sondern klar, verständlich, präzise – und vor allem glaubhaft. Sie war sogar in der Lage, der alarmierten Polizei den Weg zurück durch Flur und Feld zu zeigen. Der Vorsitzende Richter Volker Mütze gestern in der Urteilsbegründung: „Es ist unglaublich, wie Laura alles richtig machte“.

Wie es in dem Prozess hieß, will Laura jetzt nichts mehr mit ihrer Mutter zu tun haben. Sie erzähle noch manchmal von diesem dramatischen Tag – noch immer unaufgeregt.

Laura ist alt genug, um zu begreifen, was damals geschah und was die Konsequenzen daraus sind. Es ist ihr zu wünschen, dass sie alles verkraften kann.

Eine zweite Chance

Ihrer Mutter schenkte Laura das Leben und damit eine zweite Chance. Wenn Sabrina H. in vier, fünf Jahren auf Bewährung entlassen wird, kann sie ein neues Leben anfangen. Vermutlich ohne ihre Kinder.

Quelle: HNA

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