Im Drama „Hin und weg“ ging es um Rechtsradikalismus und Zivilcourage

Tödliches Theaterstück

Da fliegt der Teddybär: Sem (Tobias Vorberg) und Juli (Kirsten Mohri) streiten über Politik und ihre Beziehung. Fotos: Först

Gudensberg. Sem ist tot. Erschossen. Ein verstörendes Ende, mit dem so wohl keiner der 130 Zuschauer gerechnet hatte. „Hin und weg”, heißt das Theaterstück für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt aus der Feder von Beate Albrecht. Im Gudensberger Bürgersaal wurde es für Schüler aus Fritzlar und Gudensberg aufgeführt.

Es ist ein Stück mit einem – im wahrsten Sinne – erschreckenden finalen Knalleffekt, das es der Fantasie des Publikums überließ, die Frage zu klären, ob es Julis Absicht war ihren Sem zu töten oder doch ein Versehen.

Wie Romeo und Julia

Von Rechtsextremismus und Gewalt handelt das Drei-Personen-Stück, das an Romeo und Julia erinnert und von Sem (Tobias Vorberg) und Juli (Kirsten Mohri) erzählt, zwei jungen Menschen im Widerstreit ihrer Gefühle, deren Liebe aber an Julis politischer Orientierung zerbricht.

Sem: „Du hast einmal gesagt, du würdest nicht über Leichen gehen. Gilt das noch?“ Juli: „Ich…“ Sem: „Ein deutsches Mädel lügt nicht.” Juli: „Nein. Aber es hat auch Ehre und Tapferkeit im Blut und Ehrgeiz, ist ein Siegertyp und will sich den Lorbeerkranz holen.“

Sem ist das Kind ausländischer Eltern. Juli wird von ihrem Großvater, einem Altnazi, für die rechtsextreme Szene ideologisiert. Sie ist, nachdem Juli von ihrer Mutter verlassen wird, ihre neue Familie.

Juli baut ein rechtes Netzwerk auf, sie wird Rädelsführerin und startet eine Hetzkampagne „gegen Schwule, Lesben, Demokraten, Nigger, Juden und Ausländer“. Juli und ihren 40 Neonazis gegenüber stehen Sem, der „Kanake“, und seine Jungs, eine Gruppe von 15 Ausländern.

Die Eskalation zwischen „Schergen” und „Zecken” ist programmiert. Auch Julis Stiefschwester Vera, gespielt von der Autorin des Stücks, kann zwischen den Fronten nicht vermitteln. Vorlage für die Geschicht waren die rechte Szene in Witten und Informationen von Aussteigern.

Organisiert wurde die Aufführung vom Jugendbildungswerk Schwalm-Eder mit den Jugendpflegen Schwalmstadt, Niedenstein, Gudensberg, Schrecksbach und Gilsberg.

Von Rosemarie Först

Quelle: HNA

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