Auf dem Hugenotten- und Waldenserpfad durch die Gemeinde Gilserberg wandern

Ein Weg der Toleranz

Vorstellung der Wegschleife: Dr. Renate Buchenauer (Mitte) erläuterte den Bürgermeistern, Vertretern der Wandervereine, des Tourismus und der Gastronomie das Konzept. Foto: Rose

Gilserberg. Ein Weg der Freiheit und Toleranz – das ist für Projektkoordinatorin Dr. Renate Buchenauer der 2000 Kilometer lange Hugenotten- und Waldenserpfad (HNA berichtete). Ein Teil des europäischen Kulturfernwanderweges liegt in der Region, eine der Wegschleifen verläuft von Schwalmstadt kommend auch durch Gilserberg. Im Hochland wurden in den vergangenen Wochen die neuen Wandermarkierungen – eine blaue Scheibe über einer grünen Linie – angebracht. Die Schleife des Hugenotten- und Waldenserpfads zieht sich von Treysa und der Hugenottenkolonie Frankenhain durch die Gemarkung Gilserberg bis in den Burgwald.

„Damit sind die Spuren der Glaubensflüchtlinge aus der Schwalm in das europäische Partnerschaftsprojekt „Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser“ eingebunden“, erläuterte Renate Buchenauer bei der Vorstellung der Schleife am Gilserberger Infozentrum. Gefördert wird die Kulturroute durch das Leader-Programm und das Land Hessen. Mitglieder des Knüllgebirgsvereins haben die Markierung übernommen.

Für Frankenhain wurde ein lokales Informationsblatt zur Ortsgeschichte herausgegeben, für Treysa eine historische Stadtführung zum Thema erarbeitet. „Die Menschen wurden wegen ihres protestantischen Glaubens verfolgt“, erläuterte Buchenauer. Die Hugenotten seien in einer grausigen Zeit auf abstrusen Wegen nach Deutschland gekommen. „Ohne Hab und Gut, heimlich. Denn Flucht war verboten.“ Für die Menschen sei es der Weg in die Freiheit, in die Toleranz gewesen: „Und ein Weg, der in Zeiten des Katholizismus eben nicht nach Rom führte.“

Flucht nach Deutschland

250 000 Menschen verließen Frankreich, viele flüchteten nach Deutschland. „Dem Staat haben die Flüchtlinge sehr geholfen. Sie waren gebildet und hatten Kenntnisse in Handwerk und Technik“, erklärte Buchenauer.

Abseits der Metropolen hätten sich die Flüchtlinge allmählich integriert. Heute erinnerten noch viele Familiennamen an die hugenottische Herkunft.

Vor 15 Jahren habe es den ersten Anstoß für die Kulturroute gegeben. 2004 wurde die Idee konkret. Ein deutscher Trägerverein gründete sich 2009. Die hohe Qualität des Kulturwanderwegs und seine grenzübergreifende europäische Bedeutung wurden im Mai 2013 mit der Auszeichnung als „Europäische Kulturroute“ durch den Europarat anerkannt. Auch dort, wo keine direkten historischen Verbindungen zu den Glaubensflüchtlingen bestehen, sei der Weg interessant: reizvolle Landschaften, ländliche Kultur in den typischen Fachwerkstädtchen und -dörfern sowie Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten böten den Wanderern Abwechslung, sagte Buchenauer. Es gibt 26 europäische Kulturrouten, die Facetten der Geschichte präsentieren.

Fünf dieser Straßen haben ihren Hauptsitz in Deutschland, darunter auch der Hugenotten- und Waldenserpfad. Der Pfad ist die dritte anerkannte Route, die durch Hessen verläuft.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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