Ehepaar aus Balhorn fand noch dutzende Zentner Kartoffeln auf abgeerntetem Feld

Für die Tonne produziert?

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Abfall? Am Feldrand und auch auf dem Feld waren noch Unmengen an Kartoffeln zu finden.

Balhorn/Bründersen. Cornelia und Volker Reitze aus Balhorn staunten nicht schlecht, als sie vor einigen Tagen während eines Spaziergangs im Wolfhager Land noch dutzende Kartoffeln auf und am Rand eines bereits abgeernteten Feldes in der Nähe von Bründersen entdeckten.

„Das waren Massen“, beschreibt der Balhorner den Anblick, der ihn noch immer verärgert.

Das Feld, das sich bei Bründersen befindet, sei abgeerntet gewesen, aber eben nicht gründlich. „Überall waren noch Kartoffeln zu finden“, sagt Volker Reitze. Am Feldrand türmten sich die Früchte sogar an manchen Stellen. Seinen Angaben zufolge wären davon die Belegschaft und Bewohner eines Seniorenwohnheimes satt geworden.

Obwohl die Kartoffeln völlig in Ordnung aussahen, seien sie nun aber dennoch nicht mehr zu gebrauchen, meinen die Reitzes. Denn der Landwirt habe bereits Gülle über das Feld gefahren, meint das Ehepaar.

„Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden und kann mich noch daran erinnern, dass wir nach der Ernte immer noch einmal übers Feld gingen, um die restlichen Kartoffeln einzusammeln“, sagt Volker Reitze. Diese offensichtliche Verschwendung von Lebensmitteln ist dem Ehepaar unerklärlich.

Cornelia und Volker Reitze wollen niemanden an den Pranger stellen. Mit ihrem Hinweis an unsere Zeitung wollen sie aber zum Nachdenken anregen. „Es fällt einem schwer, das zu ertragen, wenn man so etwas sieht“, sagt Cornelia Reitze und ist sich dabei sicher, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt.

Hungernde Menschen in allen Teilen der Erde und eine „völlig widersinnige Lebensmitelproduktion“ auf der anderen Seite – „wir fragen uns, wo liegt da der Fehler im System?“.

Am kommenden Sonntag ist Erntedankfest, schon jetzt werden dafür vielerorts saisonale Lebensmittel nach altem Brauch gesammelt und für den dekorativen Zweck ausgestellt – andernorts vergammeln sie einfach auf den Feldern.

Ratlos über ein solches Vorgehen zeigte sich auch Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. Sicherlich werde es dafür eine Erklärung geben, meint er und verwies an Bründersens Ortslandwirt Reinhard Hensel. „Die Kartoffeln kommen ja nicht um“, sagt er auf HNA-Anfrage. Sie seien zugleich Dünger. Hensel hat eine Vermutung, welcher Landwirt das Feld bewirtschaftet. Er wollte den Namen jedoch nicht nennen.

Ungeeignet für Verkauf

Für eine Verschwendung hält der Ortslandwirt die – aus welchen Gründen auch immer – liegengelassenen Kartoffeln jedoch nicht. Sicherlich seien sie nicht geeignet gewesen und es passiere nun mal, dass bei der Ernte Kartoffeln aus der Maschine fallen, wenn sie zu klein seien.

Verschwenderisch finde er hingegen das Verhalten vieler Konsumenten, die beispielsweise einen Apfel mit einer kleiner braunen Stelle nicht gar nicht erst kaufen würden.

Quelle: HNA

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