1400 Mülltonnen pro Tag 

Mit den Müllwerkern übers Land

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An einem Tag kommen 200 Tonnen Abfall aus dem ganzen Schwalm-Eder-Kreis in der Deponie in Wabern an. Zwischengelagert wird er in der Müllumschlagstation, ein Radlader schiebt den Abfall auf einen Haufen.

Schwalm-Eder. Was passiert eigentlich mit unserem Abfall, nachdem wir ihn in die Restmülltonne geworfen haben? Um das herauszufinden, haben wir die Müllabfuhr einen Vormittag lang begleitet.

Es gibt viele Dinge, über die Michael Wolf sich ärgern könnte. Über Autofahrer, die ihm den Mittelfinger zeigen, weil er mit seinem Lastwagen im Weg steht. Über Menschen, die Backsteine in ihre Mülltonnen legen - und oben drauf die gefüllten Säcke. Oder die ihre Abfalltonne in einem Schneeberg stehen lassen, anstatt sie frei zu schippen.

Aber Wolf ärgert sich nicht. Denn der 53-jährige Müllwerker mag seinen Beruf. „Wer einmal Müll gerochen hat, der kommt nicht mehr davon los“, sagt er und lacht. „Man lernt viele Leute kennen“, erzählt Wolf. „Wenn eine Omi auf uns zukommt und sagt ‘Ich bin froh, dass euch gibt’, dann ist das ein schönes Gefühl.“

Wolf arbeitet seit 25 Jahren bei der Firma Fehr, die den Müll in Melsungen - und vielen anderen Städten im Schwalm-Eder-Kreis - einsammelt. „Das ist ein sicherer Job“, sagt Wolf, „Müll gibt’s schließlich immer.“

Wolf sitzt am Steuer des Müllfahrzeugs. „Die Leute sagen oft, ich hätte es bequem“, sagt er. Aber das riesige Müllauto durch die schmalen Melsunger Straßen zu lenken, bergauf, bergab, ohne irgendwo anzuecken - das sei schwieriger, als es aussehe.

Auf einem kleinen Bildschirm muss Wolf dabei immer seine Kollegen Jacek Makowski und Dietmar Freitag im Blick behalten. Deren Job ist es, die Mülltonnen zum Fahrzeug zu schieben und deren Inhalt in den Bauch des Müllautos zu kippen. Das machen sie an einem Tag mit bis zu 1400 Mülltonnen.

Wenn sie mit einer Tonne fertig sind, springen sie hinten aufs Fahrzeug und rollen weiter. Dabei weht ihnen nicht nur der Fahrtwind, sondern auch der süßlich-faulige Müllgeruch in die Nase. Daran haben sie sich gewöhnt, „aber im Sommer ist es manchmal schon heftig“, räumen sie ein.

Etwa 24 Tonnen wiegt der Müll, den die Müllwerker an einem Tag in Melsungen einsammeln. Im Sommer kommen auch mal 28 Tonnen zusammen - wegen der vielen Gartenabfälle. Um fünf Uhr beginnt die Schicht der Müllwerker. Gegen halb zehn ist das Fahrzeug voll. Jetzt geht’s nach Wabern zur Mülldeponie, wo in einer riesigen Halle die Abfälle aus dem ganzen Schwalm-Eder-Kreis gesammelt werden: 200 Tonnen täglich.

Lange bleibt der Müll dort nicht liegen. Schon kurze Zeit später taucht ein Lkw auf, der doppelt so viel Müll transportieren kann wie Wolfs Fahrzeug. Ein kleiner Bagger schaufelt den Müll in den Laster, der dann nach Kassel fährt. Dort endet der Weg des Abfalls in der Verbrennungsanlage.

Für die Müllwerker geht es nach einer Pause auf zur zweiten Runde. Denn noch immer warten viele Mülltonnen in Melsungen darauf, geleert zu werden.

Von Judith Féaux de Lacroix

Bilder zur Reportage

200 Tonnen Abfall an einem Tag

Quelle: HNA

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