Zehn monate auf Bewährung

Tote bei Überholmanöver: 20-Jähriger zu Jugendstrafe verurteilt

Treysa. Wegen fahrlässiger Tötung musste sich gestern ein 20-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht in Treysa verantworten. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, im Februar einen Unfall verursacht zu haben.

Bei dem Unfall war seine 18-jährige Freundin auf dem Beifahrersitz ums Leben gekommen – und er selbst und zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt.

Der Unfall ereignete sich bei Dunkelheit und Schneetreiben auf der Bundesstraße 454 am Ortseingang von Treysa. Aus Richtung Ziegenhain kommend, war der 20-Jährige mit einem gleichaltrigen Freund und seiner 18-jährigen Freundin in Richtung Treysa unterwegs, als er in einer unübersichtlichen, langgezogenen Kurve zum Überholen zweier vor ihm fahrender Autos ansetzte. Dabei prallte das Fahrzeug des Angeklagten gegen den Wagen einer ihm entgegenkommenden 33-Jährigen aus dem Altkreis Ziegenhain.

Zahlreiche Knochenbrüche

Diese erlitt unter anderem eine schwere Knieverletzung, wegen der sie bis heute nicht richtig laufen kann und arbeitsunfähig ist. Der Freund des Angeklagten brach sich beide Beine, das Becken und Rippen. Der Angeklagte selbst zog sich unter anderem einen Lungenriss zu. Wegen fahrlässiger Körperverletzung, fahrlässiger Tötung und Straßenverkehrsgefährdung verurteilte das Gericht den 20-Jährigen zu einer Jugendstrafe von zehn Monaten. Die Strafe ist zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt. Und er muss an eine gemeinnützige Einrichtung 600 Euro zahlen. Für elf Monate wird ihm die Fahrerlaubnis entzogen.

Der Angeklagte sagte aus, er erinnere sich bis zum Zeitpunkt des Aufpralls. Er gab an, mit etwa 70 Stundenkilometern unterwegs gewesen zu sein. Das Tempo der beiden Autos vor ihm schätzte er auf etwa 50 Stundenkilometer. Er habe die langsameren Fahrzeuge überholt, um ein mögliches Auffahren beim Abbremsen aufgrund der winterlichen Straßenverhältnisse zu verhindern. Dem entgegen standen die Aussagen der Zeugen.

Was die Staatsanwältin als „tragischen Unfall“ bezeichnete, wertete der Richter als „überflüssig“.

Dem Angeklagten sei es schlicht nicht schnell genug gegangen. Er habe grob verkehrswidrig und rücksichtslos gehandelt und schwere Schuld auf sich geladen. Der Tod der Freundin sei mit strafrechtlichen Mitteln nicht aufzuwiegen.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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