42-Jährige aus dem Schwalm-Eder-Kreis

„Ich bin keine Pferdemörderin“: Freiheitsstrafe wegen toter Ponys

Melsungen. Weil sie ihre Ponys so sehr vernachlässigte, dass einige der Tiere starben und andere in erbärmlichem Zustand sind, wurde eine Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Aktualisiert am Donnerstag um 17.24 Uhr. Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz in fünf Fällen und falscher Verdächtigungen hat das Amtsgericht Melsungen eine 42-jährige Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis am Mittwoch zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Sie ist auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Die Angeklagte hatte seit vielen Jahren eine Ponyzucht betrieben. Laut Anklage soll sie in mehreren Fällen eine ordnungsgemäße Versorgung und Pflege der Tiere vernachlässigt haben. Mehrere Tiere starben. Dennoch will die Verurteilte weiter Tiere halten, sie hat sich beim Landgestüt Dillenburg für den Sachkundenachweis für Pferdehaltung angemeldet. „Das ist Ihre letzte Chance in der Tierhaltung. Die müssen Sie jetzt nutzen.“ Das sagte Richter Heidelbach am Ende der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Melsungen zu der 42-Jährigen. Was die Frau zu dem Fall sagt, lesen Sie unten.

Das Urteil

Die 42-Jährige wurde wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz in fünf Fällen und wegen falscher Verdächtigungen in sieben Fällen zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt. Die Strafe wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss sie 1000 Euro an das Tierheim Beuern zahlen. Von einem Tierhaltungsverbot sah das Gericht ab. Die Beschuldigte möchte gern weiter Tiere halten und hat sich beim Landgestüt Dillenburg für den Sachkundenachweis für Pferdehaltung angemeldet.

Die Staatsanwältin

Es habe in der Tierhaltung gravierende Missstände gegeben, sagte die Staatsanwältin auch unter Berufung auf die Landestierschutzbeauftragte Dr. Madeleine Martin. „Sie hatte Spaß an den Tieren, und am Ende ist es zu viel geworden“, sagte die Staatsanwältin über die Beschuldigte. „70 Tiere – es ist ihr schlicht und einfach aus dem Ruder gelaufen.“ Sie sprach der Beschuldigten nicht ab, „dass sie Tiere gern hat“. Aber die toten Ponys seien nur die Spitze des Eisberges. Die Staatsanwältin beantragte eine Bewährungsstrafe von zwölf Monaten, eine Geldauflage in Höhe eines Monatsgehalts und ein Tierhalteverbot für drei Jahre: „Ihr fehlen grundlegende Kenntnisse, und es fehlt ihr an Einsicht.“

Der Amtstierarzt

Nach einer Verfügung des Veterinäramtes Schwalm-Eder waren 40 Tiere der Frau sichergestellt und ihr nur noch 20 belassen worden. „Es wurde sich nicht um die Pferde gekümmert“, sagte der Amtstierarzt. Gegen eine Verfügung, Heu einzustreuen, habe die Halterin Widerspruch eingelegt. Das sei erschreckend. Die Mängel wurden auch durch das Sachverständigen-Gutachten bestätigt.

Der Verteidiger

Verteidiger Ullrich Goetjes beantragte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten und eine Geldauflage für das Tierheim Beuern. Seine Mandantin sei nicht vorbestraft und einsichtig. Über Jahre habe sie ohne Beanstandungen Pferde gehalten. Das Ganze sei ihr „über den Kopf gewachsen“. Man müsse ihr die Chance geben, es mit 20 Pferden weiter zu probieren.

Der Richter

„Pferde wurden das Wichtigste, beherrschen ihr Leben“, sagte Richter Heidelbach. Die Masse der Tiere hätten zu einer Überforderung geführt, sie habe viele Fehler gemacht. „Sie müssen sich helfen lassen.“ Ein Tierhaltungsverbot sei nicht gerechtfertigt, betonte der Richter. Er gab der Frau mit auf den Weg: „Sie brauchen einen richtigen Tierarzt, der sich um Ihren Bestand kümmert. Sehen Sie zu, dass sich Ihre Tiere über den Sommer richtig fett fressen.“

Das sagt die Pferdehalterin

„Ich bin keine Pferdemörderin“

„Es tut mir so leid“, sagte die Angeklagte in ihrem letzten Wort unter Tränen. Nie hätten ihre Tiere leiden sollen. Das sei in einer Überforderungssituation passiert. „Ich täte alles dafür, wenn ich es ungeschehen machen könnte. Es sind ja meine geliebten Ponys, die ich verloren habe“, beteuerte sie. „Ich bin keine Pferdemörderin“, fügte sie hinzu. Ohne Probleme sei sie in der Lage, 20 Ponys ordnungsgemäß zu versorgen. „Meine Ponys sind mein Ein und Alles.“ Mit dem Staatlichen Veterinäramt werde sie die begonnene Zusammenarbeit fortsetzen und die weiteren Anweisungen auch befolgen.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa/Hans-Joachim Rech

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