Angehende Maßschneiderinnen zeigten im Museum der Schwalm ihre Ideen

Tracht im Wandel der Zeit

Auseinandersetzung mit Traditionen: Auszubildende der Max-Eyth-Schule präsentieren ihr Ergebnis nach einer Stunde Sticken, von links Ellen Streichfuß, Marie-Luise Möller und Marina Lipovsek. Fotos: Decker

Ziegenhain. „Über die Schulter schauen“ hieß es am Sonntag im Schwalmmuseum. Sechs Schülerinnen der Maßschneider-Klasse der Max Eydt-Schule (Alsfeld) zeigten, wie sie sich als junge Frauen mit der traditionellen Schwälmer Tracht und der Kunst der Weißstickerei auseinandersetzen.

Friederike Lips, Antonia Klitsch und Anna-Gela Körber schufen eine Schwälmer Tracht aus Textilpapier. Sie arrangierten sieben Röcke übereinander und baten die Zuschauer, auf der Tracht zu unterschreiben oder ein eigenes Motiv hinzuzufügen. So verwandelte sich das Kleidungsstück im Laufe der sechsstündigen Veranstaltung kontinuierlich.

Ellen Streichfuß, Marie-Luise Möller und Marina Lipovsek saßen an ihren Strickrahmen und versuchten sich in der hohen Kunst der Stickerei. Ihre Motive wählten sie aus den reichhaltigen Vorgaben der Weißstickerei, verwandelten sie jedoch nach ihrer Vorstellung. „Ich möchte etwas Modernes und Buntes sticken, außerdem möglichst viele verschiedene Stiche anwenden“, sagte Marina Lipovsek. Sie nutzte den Blattstich, den Langettenstich, und den Steppstich.

Marie-Luise Möller plante, zusätzlich zu ihrer Stickerei aus kretischen Stichen mit einem Satinband Rosen in ihr Werk einzubinden. „Jetzt habe ich tatsächlich einen Knoten gemacht, die Schwälmerinnen wären nicht begeistert“, bekannte Ellen Streichfuß und bekam umgehend von einer Zuschauerin den Spruch „Du musst den Faden bewahren“ zitiert.

Barbara Brantl, ebenfalls eine Besucherin, die den jungen Frauen über die Schulter schaute, bemerkte: „Ich kann den Faden zwar bewahren, aber Ihnen leider nicht erklären, wie es geht.“ Die Stickerei zähle nicht zu den Hauptfächern in der Ausbildung zur Maßschneiderei, so Streichfuß, dennoch fände sie es schade, wenn die Kunst verloren ginge: „Wir haben mit dem Museum zusammengearbeitet, weil wir glauben, eine modernere Form der alten Tracht und der Stickerei kann auch junge Menschen ansprechen.“

• Ausstellung endet: Die Weißstickerei-Ausstellung ist noch bis kommenden Sonntag, 18. Oktober, täglich von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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