Die Burschenschaft der Festungsstadt will ein Anlaufpunkt für alle jungen Leute bleiben

Tradition im besten Sinne

Burschenchefs von einst und heute: Ewald Weilbächer gründete die Ziegenhainer Burschenschaft 1946, Felix Stübing will die Tradition zeitgemäß weiterführen. Foto: Quehl

Ziegenhain. Zum 90. Geburstag besuchte eine Ziegenhainer Burschendelegation selbstverständlich ihren Altvorderen Ewald Weilbächer. Der alte Herr, der im DRK-Heim am Steinweg lebt, freut sich immer, von den Jungen zu hören. Sie zeigen ihm Fotos von ihrem Vereinshaus und plaudern über damals und heute.

Damals, so erinnert sich der eingefleischte Ziegenhainer Weilbächer, schaffte er es, den US-amerikanischen Militärs für eine Veranstaltung das beschlagnahmte Hotel Rosengarten abspenstig zu machen. Das war 1946, Weilbächer war gerade aus dem Krieg zurück, die jungen Leute sehnten sich nach etwas Ablenkung und Gemeinschaft. Mit einem guten Dutzend junger Männer hat Weilbächer so die Burschenschaft Ziegenhain zum Leben erweckt und auch gleich noch in eine Feuerwehrtruppe verwandelt, denn es existierte nur noch eine kleine Pflichtfeuerwehr im Festungsstädtchen. „Wir waren froh, dass wieder zusammen waren.“ An viele Freunde von damals kann sich der alte Mann im Rollstuhl glockenklar erinnern, genauso, wie an den gestrengen Stadtpolizisten Kiese, der ein wachsames Auge auf die jungen Leute hatte.

Bald wurde die Salatkirmes nicht mehr im Saal, sondern im Festzelt an der Allee gefeiert, mit Landrat Albert Pfuhl handelte Burschenschaftschef Weilbächer ein Bierkontingent aus, das Lattchen wurde wieder eingeführt.

„Wir bemühen uns, die Traditon aufrecht zu erhalten“, sagt Felix Stübing (20). Dabei gehe es damals wie heute nicht nur um die Kirmes, „wir wollen einen Anlaufpunkt für junge Leute bieten und gelegentlich zu Veranstaltungen einladen – ohne, dass es viel Geld kostet.“ Jeden Freitag ist das Vereinshaus, das „Räumchen“ offen, es wird gekickert und auf der Konsolen gespielt. „Jeder ist willkommen, wir nehmen natürlich auch Mädchen auf“, berichtet Felix Stübing. Partys und Konzerte sollen für Abwechslung sorgen in der Zeit von einer Kirmes bis zur nächsten. Eigentlich genauso, wie vor über 60 Jahren.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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