Für echte Schwälmer und solche, die es werden wollen

Die Tradition erhalten: Kurs in Mundart gestartet

Zella. Wird es nun Lishöse oder Leshouse ausgesprochen – das Schwälmer Dorf Loshausen. „Die Mundart wurde nie schriftlich festgehalten“, sagte Walter Friedrich. Er leitet den Kurs Schwälmer Platt in der Alten Schule in Zella. „Stolze Schwälmer sprechen Schwälmesch“, fügte er an.

20 Anfänger und Fortgeschrittene in der Kunst der Mundart kamen am Samstag zur ersten Stunde. Platt scheint auf großes Interesse zu stoßen – Vom Vorschulkind bis hin zur Rentnerin wollen die Schwälmer und auch Zugezogene sich dem Platt der Heimat widmen.

„Durch die Insellage entwickelte sich die spezifische Mundart“ erklärte Friedrich den Kursteilnehmern. Die abgeschiedene, idyllische Lage der Schwalm ist also dafür verantwortlich, dass Zugezogene nur Bahnhof verstehen, wenn die Schwälmer am Gartenzaun schwätzen. So geht es Heinz Mölleken aus Ziegenhain: „Wenn meine Frau sich mit der Nachbarin unterhält, verstehe ich nur wenig“, erzählte er. Vor mehr als 30 Jahren zog er der Liebe zu einer Schwälmerin wegen vom Ruhrgebiet hierher. „Nun will ich endlich die Sprache lernen“, lautet sein ehrgeiziges Ziel.

Mit den Zahlen geht es los: Fünf Lektionen hat Walter Friedrich für die erste Stunde vorbereitet. Und reihum wird nun gezählt: eens, zwee, drei, viea. Eine gute Leistung liefern die Schwälmer Anfänger ab, auch wenn nicht jeder Laut gleich gelingen mag.

Nach den Zahlen spricht der Kurs die nahgelegenen Ort durch. Für Neueinsteiger mag es schwer verständlich sein: der Ort Wincherode ist auf Schwälmesch Heed heißt, Oberaula ist Äwel. Aber dafür sind alle Kursteilnehmer gekommen: Um die Mundart zu lernen. Doch zeigen sich Differenzen auf, denn die Aussprache wandelt sich je nach Schwälmer Dorf.

„Die Schwälmer Mundart ist ein Teil unserer Kultur“

„Die Schwälmer Mundart ist ein Teil unserer Kultur“, sagte Jennifer Draude. Die 20-jährige aus Zella will gern die Tradition der Schwälmer Mundart erlernen: „Damit ich das Platt später auch einmal an meine Kinder weitergeben kann.“

Junge Menschen wie sie und natürlich auch Schulkinder will Walter Friedrich mit seinem Angebot ansprechen. „Nur wenn es die Kindern können, lebt die Tradition weiter.“ Ein- bis zweimal monatlich und das für mindestens ein Jahr lang soll der Kurs nun stattfinden. Hausaufgaben gibt es keine, denn Schwälmer Platt üben die Teilnehmer bestimmt freiwillig.

• Infos und Kurstermine zum Schwälmer Platt gibt es bei Walter Friedrich, Tel. 0174/6115 362.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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