Schwänke aus der Schänke

Traditionskneipe seit 1825: Frühschoppen am Tresen in Dagobertshausen

+
Um die Jahrhundertwende: Das Gasthaus zu Conrad Schwalms Zeiten. Laut Karl-Heinz Ludolph ist er der Mann links auf dem Bild.

Dagobertshausen. Karl-Heinz Ludolph erinnert sich gern an die Zeit, als das Gasthaus „Zum Adler“ in Dagobertshausen in voller Blüte stand.

 „Nach dem Zweiten Weltkrieg rollten hier die Busse an“, sagt er. Leute aus ganz Nordhessen genossen die Gemütlichkeit in der guten Stube. „Es gab immer Ahle Worscht und jede Menge Bier.“

Die Menschen aus den Kasseler Orten seien auf Initiative des damaligen Wirtes Walter Hofmann angereist. „Er arbeitete damals bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Kassel und warb für sein Gasthaus.“

Das machte die Runde in den 1950er-Jahren. „Nach dem Krieg wollte man feiern und ausgelassen sein“, erzählt Ludoplph.

Der heutige Zustand: Karl Heinz Ludolph vor dem ehemaligen Gasthaus in Dagobertshausen. 

Hofmann sei ein besonders umgänglicher Mann gewesen, der die Menschen zusammen gebracht habe. Wenn er nach der Arbeit heimkam, krempelte er die Ärmel hoch und stellte sich hinter die Theke.

Die Gastwirtschaft betrieb er gemeinsam mit seiner Frau Ursel und Martin Holzhauser bis 1969. Der 78-jährige Karl-Heinz-Ludolph ist in Dagobertshausen aufgewachsen und hat fast sein ganzes Leben dort verbracht.

Mit dem Gasthaus ist er daher tief verbunden, auch wenn der Betrieb seit den 90er-Jahren eingestellt ist und dort Asylbewerber untergebracht wurden, hängen jede Menge Erinnerungen an dem ehemaligen Gasthaus.

Die Frühschoppen am Sonntag waren für ihn eines der schönsten Dinge. In den 50er-Jahren ging man nach der Kirche im Anzug in die Kneipe zum Bierchen und diskutierte über Politik und Sport.

Frühschoppen in der Fernsehecke: Es gab zwei Fernseher für jedes Programm eines. Von links Karl-Heinz Ludolph mit den bereits verstorbenen Günter Hammer, Kurt Moog und Heinz Grunewald. 

Manchmal hatten die Gäste noch die Gesangbücher in der Tasche, erinnert sich Ludolph.

Auch an die großen Kirmesse denkt er gern zurück. Im großen Saal wurde vier Tage gefeiert. „Der Montag war fürs Dorf und immer am schönsten.“ Auch wurde im Saal Theater gespielt, Handball trainiert und es gab Tierschauen. Nachdem Hofmann das Gasthaus an Lothar Baudi verkauft hatte, wurden dort Barthähnchen serviert. Eine beliebte Spezialität in den 1970er-Jahren, erinnert sich Ludolph.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare