Stenografie kontra Demenz: Training mit Kurzschrift

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Begleitet das Projekt: Dr. Manfred Gogol untersucht seit 2011, wie sich das Lernen von Stenografie aufs Gehirn auswirkt.

Schwalmstadt. Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Stenografie-System hatte am Samstag zu einer Fachtagung nach Treysa eingeladen: Das Thema lautete „Stenografie kontra Demenz - Kognitives Training und gesundes Altern".

Das ist gleichzeitig auch der Titel einer Studie, die aktuell untersucht, inwieweit sich die Kurzschrift auf das Gehirn älterer Menschen auswirkt.

Dr. Jens Zemke von der Asklepios-Klinik informierte über die Demenzerkrankung, über Erfahrungen und erste Erfolge des Projekts sprach Dr. Manfred Gogol aus Coppenbrügge.

Die Idee hatte die medizinische Angestellte und gleichzeitig im Stenografenverein Minden engagierte Gunda Steinmetz: „Sie wusste um die Plastizität des Gehirns - die Fähigkeit, sich anzupassen und etwas zu lernen, bleibt lebenslang erhalten“, erklärte Manfred Haacke (Mindener Stenografenschaft). Das Erlernen der Kurzschrift ist bisher unerforscht. Wie sich die Stenografie auf die Gedächtnisleistung, auf Aufmerksamkeit und Ausdauer, auf das Allgemeinwissen, aber auch die motorischen Fähigkeiten auswirkt, wird in der aktuellen Studie nun untersucht. „Wir wollen die Teilnehmer fördern, ohne sie zu überfordern“, verdeutlichte Haacke.

„Wir wollen die Teilnehmer fördern, ohne sie zu überfordern.“

16 Frauen zwischen 63 und 78 Jahren nehmen an dem Forschungsprojekt teil. Voraus gingen eine Vielzahl von medizinisch-technischen Untersuchungen, die jährlich wiederholt werden. „Das sind sowohl geistige als auch funktionelle Tests, die etwa Aufschluss über das Herz-Kreislauf-System liefern“, erklärte Dr. Gogol. Besonders die neuropsychologischen Test sollen zusammen mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (kurz MRT) Aufschluss über die geistige Fitness der Probanden geben.

„Ein großer Effekt ist bereits zu erkennen“, sagte der Mediziner. „Trotz steigenden Alters stellen wir im kognitiven Bereich keine Funktionsabnahme fest.“ Klar wird dann an einem Testbeispiel: Hierbei zeigt der Mediziner den Teilnehmern eine Zeichnung bestehend aus geometrischen Formen. Sie erhalten die Aufgabe, jenes Bild unmittelbar nach dem Betrachten aus der Erinnerung aufzuzeichnen. In der Folge werden sie zeitversetzt weitere zwei Mal gebeten, das Bild zu zeichnen.

„Der verspätete Abruf hat sich deutlich verbessert“, erklärte Gogol. Sei jemand schon an Demenz erkrankt, hänge das Ergebnis stark vom Verlauf ab: „Generell ist der Trainigseffekt jedoch umso größer, je früher damit begonnen wird“ Einig sei sich die Wissenschaft darüber, dass geistige und körperliche Gesundheit unmittelbar zusammen hingen. „Wer stenografiert, aber ansonsten nur vor dem Fernseher sitzt, wird früher sterben“, sagte der Mediziner und verwies auf eine australische Studie.

Um die Ergebnisse bewerten und vergleichen zu können, müsse man noch eine zweite Probandengruppe einrichten, sagte Dr. Manfred Gogol.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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