Rund 3500 Zuschauer bei ADAC-Rallye - Wolfhager Team nicht vollständig

Die Trauer des Copiloten

Wer liebt, der schiebt: Manchen Autos ging bei der Emstal-Rallye die Puste aus. Fotos: Michl

WOLFHAGEr Land. Weit mehr als 1000 Schaulustige standen am Samstagnachmittag allein an der Strecke in der ehemaligen Wolfhager Pommernkaserne. Dort wurde die erste Wertungsprüfung der vom Motorsportclub (MSC) Bad Emstal inzwischen zum 15. Mal veranstalteten ADAC-Rallye Bad Emstal gefahren. Mit rund 130 Teilnehmern aus ganz Deutschland sowie den benachbarten Ländern.

Unter den erwartungsvollen und freudig gestimmten Zuschauern ein trauriges Gesicht: Stefan Neurath aus dem Wolfhager Stadtteil Altenhasungen. Denn als mit der Startnummer acht der Wolfhager Kraftfahrzeugmeister Axel Nörenberg, Inhaber der Firma Autoservice Ostmann, mit seinem rund 300 PS starken BMW M3 auf die Strecke geschickt wurde, hätte der 33-jährige selbständige Elektromaschinenbauer aus der Erpetalgemeinde eigentlich im Cockpit auf dem Beifahrersitz sitzen sollen. Doch eine starke Erkältung in den vorangegangenen Tagen hatte Stefan Neurath ausgebremst. Er befand sich am Renntag zwar auf dem Weg der Besserung. „Doch es wäre meinem sportlichen Partner und Piloten Axel Nörenberg gegenüber unverantwortlich gewesen, wenn ich mit einer Grippe mitgefahren wäre.“

Seit über fünf Jahren sind die beiden auf vielen Rallyestrecken ein eingespieltes Team. Haben zusammen schon einige Klassen- und Gruppensiege gefeiert. Höhepunkte dabei der Gesamtsieg der Welfen-Winterrallye, dem Wolfhager Rallyesprint sowie der Rallye Knesebeck.

Gebetbuch der Rallyefahrer

Im Rallyesport steht natürlich der Fahrzeugführer als hochgeschätzer Lenkrad-Virtuose im Mittel- und Blickpunkt. Doch ohne seinen Beifahrer, den sogenannten Schattenmann, wäre der Pilot hoffnungslos verloren. Er könnte vor allem bei den Sonderprüfungen den Motor abstellen und aussteigen. Denn nach dem Start hilft nur noch tiefes Fahrervertrauen in seinen Beifahrer – und beten. Nicht im religiösen Sinn, sondern als Vorbeter aus dem vom Copiloten vorgefertigten Gebetbuch. In dem sich akribisch exakt die zu fahrende Strecke widerspiegelt.

Gebetbücher, so Stefan Neurath, werden meist nach dem Allwetter-System eins bis fünf angefertigt. Die Zahlen stehen zum Beispiel für Spitzkehre, rechtwinkliger Abzweig, 75-Grad-Kurve, flottere Pistenbiege mit nur leichtem Abbremsen oder bei der fünf volle Pulle. Dieses noch zusätzlich mit weiteren Angaben und Differenzierungen durchsetzte Stakkato-Kauderwelsch hämmert der Beifahrer mit der Gegensprechanlage seinem Fahrer permanent in die Ohren.

Fatale Folgen

Und danach könnte der Pilot eigentlich blind fahren. Neurath: „Verplappern oder Verhören kann für Fahrer und Beifahrer ganz fatale Folgen haben.“ Was bisher aber Gott sei Dank noch nicht eingetreten ist.

Wobei es für den Altenhasunger aber schlimm genug war, das Rallyegeschehen diesmal nur als Zuschauer mitzuerleben. (zih)

Ein Video von der Emstal-Rallye finden Sie auf www.hna.de/video

Quelle: HNA

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