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„Trauer ist bunt“ – Semin Wenzel begleitet Kinder beim Umgang mit Verlusten

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Von: Christine Thiery

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Auf dem Foto ist eine Frau zu sehen.
Der bunte Rabe im Hintergrund ist das Symbol für ihre Arbeit: Semin Wenzel in ihrer Praxis Rabenbunt, wo sie Kindern und Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen mit spielerischen Hilfsmitteln bei der Bewältigung der Trauer unterstützt. © Christine Thiery

Trauerbegleitung in der Praxis Rabenbunt in Homberg.

Homberg – Sterben und Trauer sind in unserer Gesellschaft selten Inhalt der Erziehung. Daher ist der Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen nicht nur für Erwachsene schwierig – auch junge Menschen stehen dem Tod in ihrem Umfeld oft hilflos gegenüber. Sie aufzufangen ist das Anliegen von Semin Wenzel. Die 34-Jährige bietet jetzt Trauerbegleitungen für Kinder und Jugendliche in ihrer Praxis Rabenbunt in Homberg mitten in der Altstadt an.

„Kinder gehen anders mit Trauer um“, sagt die Pädagogin, die in Mühlhausen lebt. Sie seien authentisch und spontan, aber auch wechselnd emotional in ihren Reaktionen auf den Verlust. Viele Kinder wollten ihre Eltern schonen und zeigten ihre Trauer nicht, in der Folge seien sie damit allein. Und genau da steige sie als unabhängige Vertrauensperson ein, damit Kinder die damit verbundenen Gefühle und Gedanken verarbeiten könnten.

Beratungsraum ist voll mit Spielsachen und Büchern für Kinder

Kinder seien gut über Symbole und Spielen zu erreichen. Daher ist der Raum der Trauerbegleiterin voll mit Spielsachen und Büchern. Alles, was das Kind mit sich trage, auch Heimliches, könne es ausdrücken. „Bei mir ist das Kind Chef.“ Das versichere sie zu Beginn der Treffen, bei denen Erziehungsberechtigte dabei sind. In einem ersten Gespräch beschnuppere man sich zunächst und schaffe eine vertrauensvolle Atmosphäre. „Kinder sollen sich bei mir wohlfühlen.“

In der Begleitung werde es dann oft laut und bunt, eben kindgerecht. Da Wenzel auch Psychomotorikerin ist, setzt sie Bewegung und Spiel ein. Sie sei keine Therapeutin, es gehe allein um die Begleitung in der Trauer. Sie könne aber Halt geben.

Wenzel wuchs in Frankfurt auf und studierte zunächst Kunstgeschichte und Archäologie. Später bemerkte sie, dass sie lieber mit Menschen arbeiten möchte statt zu forschen und studierte dann soziale Arbeit. Sie beendete ihr Studium mit einem Master in Erziehungswissenschaften.

Seit 2019 ist Semin Wenzel Trauerrednerin

Bei einem Praktikum in einem Hospiz kam sie mit der Trauerarbeit in Kontakt. Sie absolvierte 2016 eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche und seit diesem Jahr besitzt sie die große Basisqualifikation zur Trauerbegleiterin und hat den Raum in Homberg angemietet. Seit 2019 ist sie zudem Trauerrednerin.

Den Namen Rabenbunt hat sie sich für ihre Praxis ausgesucht. Er soll symbolisieren, dass der Rabe, der in einigen Kulturen für den Tod stehe, in anderen ein Glücksbringer ist. „Trauer ist bunt“, sagt sie. Trauer sei eine notwendige Reaktion auf einen Verlust und an sich kein Problem. Sie sei auch eine Lösung, wenn man sie aus einer anderen Perspektive betrachte. Und sie sei immer ein Prozess, in dem es gelte, die Gefühle zuzulassen und in etwas zu verwandeln. „Wir tun uns sehr schwer mit sterbenden Menschen, dabei kann das Lebensende eine schöne und intensive Zeit sein“, so ihre Erfahrung. Die pädagogische Relevanz des Todes hat sie in ihren Studien beschäftigt.

Das Sterben sei in der Zeit der Aufklärung aus der Erziehung verschwunden. Da Tod und Trauer tabuisiert würden, sei Aufklärungsarbeit wichtig. Kirche und Glauben hätten früher Halt gegeben. Mit der Verweltlichung der Gesellschaft und zunehmender Individualisierung fehle dieses Gerüst vielen Menschen. Auch bei Trennungen oder anderen Verlusten, die zu Trauer führen, berät sie. (Christine Thiery)

Kontakt: Rabenbunt, Semin Wenzel, Rathausgasse 3 in Homberg, Tel. 0172 10 939 10, raben-bunt.de, E-Mail hallo@raben-bunt.de. Die Trauerbegleitung ist kostenpflichtig und wird nicht von Kassen übernommen.

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