Nach Tsunami: Global-Care hat beim Aufbau eines Kindergartens geholfen

Sie freuen sich, dass ihre Hilfe ankommt: Beate Tohmé (rechts) und Reinhard Berle von Global-Care haben sich zusammen mit einer TPAK-Mitarbeiterin den neuen Kindergarten angesehen. Fotos: privat

Fritzlar. Das Bauchgefühl hatte nicht getäuscht. Nachdem sie die ersten Warnmeldungen im Radio hörten, haben sie sofort reagiert. Die Erzieher weckten die 80 Kinder, schnappten sich die Jacken und dann ging es raus.

Den Hügel immer im Blick. Er war ihre Rettung. Kurze Zeit später wären die Kinder und Erwachsenen von den gewaltigen Wellen erfasst worden. Es war der 11. März 2011. Der Tag, an dem ein Tsunami den Osten Japans überrollte und damit auch die 37.000-Einwohner-Stadt Kamaishi samt Kindergarten.

Jetzt, vier Jahre später, haben die Kinder eine neue feste Unterkunft. Sie liegt sicher, in ausreichender Entfernung zur Küste, wie Beate Tohmé erklärt. Die Geschäftsführerin vom Fritzlarer Kinderhilfswerk Stiftung Global-Care hat sich zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Reinhard Berle davon überzeugt. Beide sind zur Einweihung nach Japan geflogen. Denn das Hilfswerk hat den Kindergarten seit der Katastrophe mit rund 600 000 Euro unterstützt.

Der neue Kindergarten sollte sicher und geschützt sein. Er dient im Notfall als Evakuierungsunterkunft. „Drei Tage können sich die Gruppen mit einem Solarstromaggregat selbst versorgen“, beschreibt Thomé. Ausreichend Vorräte gebe es auch.

Die Reise nach Japan war für Berle und Tohmé etwas Besonderes. „Ich bin mit Erinnerungen an die große Katastrophe dorthin gefahren“, sagt Berle. Doch für die Menschen dort gehe das Leben normal weiter. Die erste Begegnung mit den Kindern sei entspannt gewesen. „Die waren ganz aufgeregt und haben ein Lied für uns gesungen“, sagt Tohmé.

Für ein Stück Normalität hat auch Global-Care mit seiner Partnerorganisation vor Ort gesorgt. „Als die Mitarbeiter von TPAK im Kindergarten waren, haben sich die Sachspenden bis zur Decke getürmt“, sagt Tohmé. Aber das Richtige war doch nicht dabei: Bambusmatten, die sie dringend brauchten. „TPAK waren die ersten, die gesagt haben, was sie benötigen“, berichtet die Geschäftsführerin. Doch es geht Global-Care um mehr. Sie wissen, welche Narben die Katastrophe bei Erziehern und Kindern hinterlassen hat. „Die Mitarbeiter waren unbeweglich wie Steine. Sie haben gar nicht mehr gesprochen“, erklärt Tohmé. Zu schwer habe sie das Trauma belastet.

Mit einer Spieltherapie für die Kinder sowie Massagen und Entspannungsübungen für die Erwachsenen habe Global-Care geholfen, den Schrecken zu bewältigen und wieder hoffnungsvoller in die Zukunft zu blicken. Für die Hilfsorganisation Global-Care endet das Projekt dieses Jahr. „Dann übergeben wir es in die Selbstständigkeit“, erklärt Tohmé. Doch auch wenn die finanzielle Unterstützung ende - die menschliche Beziehung bleibt.

Quelle: HNA

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