Manuela Schäfer startet als Alltagsbegleiterin bei der Diakoniestation

Traumjob statt Hartz IV

Sie wird fehlen: Manuela Schäfer (links) kann wegen ihrer neuen Stelle den Offenen Treff im Felsberger Mehrgenerationenhaus künftig nicht mehr betreuen. Jutta Schrödl, Helga und Willi Lexa (von rechts) finden das schade. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg/Melsungen. Für Manuela Schäfer ist es ein besonderer Start ins Jahr 2013. Sie tritt eine neue Stelle an - als Alltagsbegleiterin bei der Diakoniestation Fulda-Eder in Melsungen. Dafür hat die 44-Jährige lange gekämpft.

Von Hartz IV über einen Ein-Euro-Job hat sie es wieder in den ersten Arbeitsmarkt geschafft. Lange war Manuela Schäfer Hausfrau und Mutter. Doch dann kam die Scheidung von ihrem Mann - und plötzlich war sie Hartz IV-Empfängerin. „Das habe ich nie gewollt“, sagt sie. „Ich möchte mein eigenes Geld verdienen.“

Die Melsungerin bekam eine Chance: Das Mehrgenerationenhaus in Felsberg stellte sie 2009 als Ein-Euro-Kraft an, sie half in der Küche und beim Offenen Treff, wo Menschen aus Felsberg zusammenkommen, um gemeinsam zu essen und zu plauschen.

Doch Manuela Schäfer wollte mehr. An der AWO-Altenpflegeschule in Homberg absolvierte sie eine Ausbildung zur Alltagsbegleiterin für ältere Menschen, die zum Beispiel an Demenz oder Parkinson erkrankt sind. „Vor neun Jahren habe ich meinen Schwiegervater bis zu seinem Tod gepflegt“, erzählt Schäfer, „da habe ich gemerkt, dass es mir liegt, für solche Menschen da zu sein.“

Als Alltagsbegleiterin hört sie den Menschen zu. „Ich versuche, herauszukriegen, was die Leute früher gemacht haben, wie sie zum Beispiel den Krieg erlebt haben.“ Außerdem kocht sie mit den Patienten, geht mit ihnen spazieren, begleitet sie zu Arztbesuchen. „Ich habe die Leute motiviert, mitzuhelfen“, erklärt Schäfer. „Wenn sie den ganzen Tag allein sind, lassen sie sich oft hängen.“

Das Soziale Dienstleistungszentrum in Felsberg vermittelte Manuela Schäfer nach Abschluss der Ausbildung als Alltagsbegleiterin an Haushalte in Felsberg und Gensungen. Nebenbei betreute Schäfer weiterhin ehrenamtlich den Offenen Treff. Dort wurde sie schnell unverzichtbar. „Sie hat den Laden hier zusammengehalten“, sagt Willi Lexa. Der 74-Jährige ist einer von vielen Männern und Frauen, die oft zum Offenen Treff kommen. „Die Manuela war hier der ruhende Pol“, findet auch Lexas Frau Helga (73). „Sie versteht es einfach, mit den Leuten umzugehen“, ergänzt Jutta Schrödl (73).

Manuela Schäfer hatte Spaß an der Arbeit in Felsberg: „Man bekommt viel zurück“, sagt sie. Doch noch immer war sie im zweiten Arbeitsmarkt beschäftigt. Leben konnte sie von dem kleinen Honorar nicht.

Nebenbei nahm sie einen Job als Putzhilfe an. Das erwies sich als Glücksfall, denn sie arbeitete auch für die Diakoniestation Fulda-Eder in Melsungen. „Irgendwann habe ich dann den Pflegedienstleiter gefragt, ob die Diakoniestation nicht eine Alltagsbegleiterin sucht.“ Tatsächlich lud man sie zum Probearbeiten ein - und kurz darauf kam die Zusage.

Manuela Schäfer freut sich auf die neue Aufgabe. „Aber es fällt mir schwer, mich zu verabschieden“, sagt sie. Sie will auch künftig ab und zu im Felsberger Mehrgenerationenhaus vorbeischauen.

Darauf hoffen auch die Besucher des Offenen Treffs in Felsberg. Sie sind traurig, dass Manuela Schäfer geht. „Aber ich freue mich natürlich für sie, dass sie eine neue Aufgabe gefunden hat“, sagt Helga Lexa.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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