Trend: Zentrale Versorgungsstruktur und Video-Apotheken

Arznei per Knopfdruck: Video-Apotheken wie diese gibt es bislang nur in Hessen. Die sollen vor allem die Versorgung auf dem Land sichern. Foto:  nh

Wolfhager Land. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) erwartet ein Apothekensterben in Deutschland. Dies sei vor allem eine Folge des Ärzteschwunds, denn besonders Apotheken auf dem Land würden den größten Teil ihrer Erlöse mit Arztrezepten erwirtschaften. Bis 2020 wird der ABDA zufolge jeder dritte Apothekeninhaber im Rentenalter sein.

Der Verkauf bestehender Apotheken werde immer schwieriger. Schon jetzt gibt es laut Kirsten Müller-Kühl vom Hessischen Apothekerverband Apothekeninhaber, die nicht in den Ruhestand gehen, weil sie keine Nachfolger finden. Dies sei möglich, da es für den Betrieb keine Altersbeschränkung gebe.

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Zahl der Apotheken droht zu sinken

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Pharmazie-Studenten etwa konstant geblieben, allerdings interessieren sich einer Umfrage zufolge viele für einen Beruf in der Industrie. Dort sind die Einkommen attraktiver. Angestellte Apotheker verdienen nach Angaben der ABDA in der höchsten Tarifstufe 3745 Euro. Nacht- und Notdienste sowie Sechs-Tage-Wochen würden junge Pharmazeuten ebenso von dem Beruf abhalten. Je weniger Apotheker es in der Region gibt, desto größer ist die Notdienstbelastung, erklärt Karl-Wilhelm Heisen.

Hella Beyl ist eine 34-jährige Apothekerin in Naumburg. „Viele Kollegen in der Region sind älter“, sagt Beyl. Sie erwartet, dass einige von ihnen Probleme haben werden, ihre Apotheken zu verkaufen. „Es muss schließlich erstmal viel investiert werden, wenn jemand eine Apotheke übernimmt.“ Zudem sei durch neue Gesetze viel gekürzt worden.

„Der Trend geht hin zu größeren Apotheken, ähnlich wie Ärztezentren“, sagt Heisen. Wissenschaftlern zufolge gibt es Überlegungen, in Deutschland eine zentralere Apothekenstruktur einzuführen. So könnten individuelle Krankengeschichten gesammelt und Patienten besser vor Nebenwirkungen gewarnt werden.

Die Firma CoBox aus Waldsolms im Lahn-Dill-Kreis hat in Hessen 15 sogenannte Video-Apotheken aufgebaut, zum Beispiel in Marburg und Hersfeld-Rotenburg. Das sind Beratungsräume, in denen Kunden per Bildschirm Kontakt zu Mitarbeitern herstellen. Die bestellten Medikamente werden dann zum Kunden nach Hause geschickt. „Damit sollen Standorte versorgt werden, wo sich eine Filiale nicht rentiert“, sagt Katja Baudisch von CoBox. Diese Geschäftsidee sei vor allem für den ländlichen Raum interessant.

Von Stefanie Dietzel

Quelle: HNA

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