Treu über Jahrhunderte

Madonna aus Sandstein: Der Name des Bildhauers ist unbekannt, der Meister der Gotik schuf auch das Doppelgrabmal zweier Waldecker Gräfinnen in Netze. Foto:  Norbert Müller

In unserer Adventsserie widmen wir uns täglich einem Stichwort aus der Weihnachtsgeschichte. In unserer heutigen Folge geht es um Maria. Sie ist neben ihrem gerade geborenen Sohn Jesus die zentrale Person. In der Naumburger Stadtpfarrkirche sind Maria und ihr Sohn neben dem Chorraum abgebildet.

Von Norbert Müller

Naumburg. Sie hat dramatische Momente erlebt und gute Zeiten in der Stadtgeschichte: Seit Mitte des 14. Jahrhunderts gehört die gotische Maria, die ihren Sohn auf dem Arm trägt, zur Naumburger Stadtpfarrkirche am Marktplatz.

Vermutlich stand sie die meiste Zeit draußen, schmückte gemeinsam mit anderen Figuren das Got- teshaus. Den großen Stadtbrand im Jahr 1684, vermutet der frühere Naumburger Stadtpfarrer Ulrich Trzeciok, habe sie wohl auch nur deshalb überstanden. Beim Brand ging die gesamte Innenausstattung der Kirche verloren, das Dach stürzte ein, alles war hinüber. „So ist es schön, dass so ein Stück aus der Anfangszeit der Kirche noch erhalten ist“, sagt der Geistliche Rat.

In den 1960er-Jahren, als man das Kircheninnere runderneuerte und etwas schlichter gestaltete, gab man der schönen Madonna im rechten Seitenflügel einen neuen Platz. „Das war ein Glück“, sagt Trzeciok. Die anderen beiden Sandsteinfiguren, die der Madonna all die Jahre an der Südwand der Kirche Gesellschaft geleistet hatten, der Heilige Sebastian und der Heilige Christopherus, „sind vom Zahn der Zeit voll erwischt und zernagt worden“.

Anders die Madonna mit dem Jesuskind. Sie hat nun seit 1992 ihren Platz in luftiger Höhe am rechten Pfeiler zum Chorraum. Der langjährige Stadtpfarrer gehört zweifelsohne zu ihren Verehrern: „Sie ist etwas Besonderes. Mir gefällt sie gut, sie ist künstlerisch gut gestaltet. Es ist keine Serienware, sondern etwas Einmaliges.“

Und dann gebe es auch noch einen ganz persönlichen Bezug, sagt der 73-jährige Pensionär. Das Jesuskind trägt nicht, wie auf vielen anderen vergleichbaren Skulpturen, einen Apfel in der Hand, sondern einen kleinen Vogel. „Der Vogel verweist vielleicht auf den Heiligen Geist“, vermutet Ulrich Trzeciok. „Mir als Vogelfreund gefällt das jedenfalls ganz besonders.“

Zwitschern im Gottesdienst

Und der frühere Stadtpfarrer erinnert sich daran, wie zwei Jahre hintereinander auf dem Sims oberhalb der Madonna ein Rotschwänzchen seinen Nachwuchs ausbrütete, der dann während des Gottesdienstes, wenn die Altvögel zum Füttern durch ein schräg gestelltes Fenster einflogen, ungeniert um die Wette zwitscherte.

Offensichtlich fühlten sie sich in der Nähe des Jesuskindes und seiner Mutter Maria, die bis zur Wiedereinweihung der Kirche im Jahr 1692 Patronin des Gotteshauses war, ausgesprochen wohl.

Quelle: HNA

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