Gehörloser Dietrich Dahmen aus Treysa: Freundschaft ohne viele Worte

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Lernte Restauratoren und Maler kennen: In Nischni Nowgorod lernte Dietrich Dahmen (Mitte) gehörlose Künstler kennen, die für die Orthodoxe Kirche arbeiten.

Schwalmstadt. Dietrich Dahmen ist gehörlos. Bei Reisen nach Russland hat der Treysaer große Hilfsbereitschaft erfahren. Wir haben mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen.

Dietrich Dahmen aus Treysa ist von Geburt an gehörlos. Für den 44-Jährigen ist das zwar ein Handicap, sein großes Hobby Reisen beeinträchtigt es jedoch nicht. Seit sechs Jahren reist Dietrich Dahmen immer wieder nach Russland: „Dort habe ich als Gehörloser gute Erfahrungen gemacht, die ich noch in keinem anderen Land so positiv erlebt habe. Man ist dort sehr hilfsbereit“, erklärt der Treysaer, der als Handbuchbinder arbeitet.

St. Petersburg hieß das Ziel seiner ersten Reise. Danach besuchte Dahmen unter anderem Kronstadt, Moskau, Wolgograd, die Stalingrad-Gedenkstätte, Nischni Nowgorod, Semjonow und das Dorf Chochloma, das für sein Kunsthandwerk - der gleichnamigen Malerei - bekannt ist.

Die Verständigung 

Die Verständigung war problematisch, aber zu bewältigen: „Ich habe in Oleg, dem Vorsitzenden des St. Petersburger Gehörlosen-Vereins, einen guten Freund und Helfer gefunden“, erzählt Dahmen. Oleg habe auch die späteren Reisen mitvorbereitet und Menschen aus anderen Gehörlosen-Vereinen gefunden, die Dahmen begleiteten. Man zeigte ihm die Städte und erklärte Praktisches wie etwa Busfahren und Geldabheben.

Die Treffen mit Künstlern 

In Nischni Nowgorod wurde Dietrich Dahmen von den Dolmetscherinnen Lena und Olga erwartet. Der Treysaer traf auch gehörlose Künstler, Restauratoren und Maler, die für die Orthodoxe Kirche arbeiteten. „Zum Dank schenkten die Orthodoxen den Gehörlosen eine eigene Kirche“, verdeutlicht Dahmen. Erstaunt sei er gewesen, dass die Gehörlosen zum Gottesdienst der Hörenden gingen. Der Pfarrer predigte und die Bibelgebärdensprachdolmetscherin übersetzten. „Verstanden habe ich wenig. Es wurde nicht nur jeder Satz, sondern jedes Wort übersetzt. Das ist anders als in Deutschland, wo nur der Inhalt übersetzt wird.“

Die Spurensuche 

Zu Gast durfte Dahmen auch in einer Theaterschule sein, in der gehörlose Kinder und Jugendliche in Schneiderei, Holzarbeiten, Theaterspielen und auch in englischer Sprache unterrichtet werden.

Auf seiner Reise besuchte der Treysaer den Soldatenfriedhof Jelabuga. „Ich suchte das Grab des Kasseler Arztes und Pfarrers Kurt Reuber auf, der in Stalingrad die berühmte Madonna zu Weihnachten 1942 gemalt hat.“ In Kasan eröffnete zeitgleich die erste Weltmeisterschaft im Sportschießen für Hörbehinderte: Dahmen traf den Goldmedaillen-Gewinner Werner Lackerbauer.

Quelle: HNA

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