Treysaer Roland Kastler leitet in Ruanda eine deutsche Fleischerei

Schwalmstadt/Kigali. Die meisten Menschen verbinden mit dem kleinen afrikanischen Land Ruanda nur den Völkermord, bei dem Hutus vor 16 Jahren in nur 100 Tagen mit Macheten und Keulen bis zu 800 000 Tutsi niedermetzelten.

Roland Kastler (50) aus der Schwalm hingegen, hat das Land Glück und Wohlstand gebracht. Der Metzger aus Treysa leitet in der Hauptstadt Kigali die „German Butchery“, die deutsche Metzgerei.

Die Fleischerei, zu der auch ein Supermarkt und ein Imbiss gehören, brummt. Zu den Kunden gehört neben den ruandischen Stammkunden auch der deutsche Botschafter.

In der Mittagspause sitzt auch Roland Kastler mit einem großen Glas Milch unter einem Sonnenschirm am Stammtisch vor seinem Laden. „Milch ist gut für die Nerven“, sagt der Metzger. Und die braucht er hier. Bis zu 15 Stunden am Tag arbeitet er mit einem deutschen Kompagnon in Metzgerei, Supermarkt und Imbiss.

„Viele unserer deutschen Kunden nehmen sogar einige Kilo Fleisch mit, bevor sie nach Deutschland fliegen.“

„Wir haben insgesamt fast 100 Angestellte. Leider sind nicht alle zuverlässig. Weil wir hier deutsche Qualitätsstandards anbieten wollen, müssen wir Geschäftsführer uns ständig darum kümmern, dass alles läuft“, sagt der gelernte Koch und Metzger.

„Viele Ruander haben zu Hause keinen Kühlschrank, müssen deshalb fast täglich kommen“, berichtet Kastler. Für manche Kunden sind die häufigen täglichen Besuche allerdings auch nur ein gutes Alibi, um im angegliederten Imbiss „La Galette“, der mittlerweile in vielen Ruanda-Reiseführern steht, eine der legendären Currywürste zu essen.

„Weil die Tiere hier nicht mit teurem Mastfutter vollgestopft werden, schmeckt das Fleisch viel besser. Viele unserer deutschen Kunden nehmen sogar einige Kilo Fleisch mit, bevor sie nach Deutschland fliegen“, verrät der Metzger, der zuvor bereits in Tansania, Ghana und Mosambik gearbeitet hatte.

„Für mich läuft es beruflich so gut wie nie zuvor“, gibt Kastler, der sich in Kigali gerade ein Haus baut, unumwunden zu. Und auch privat hat der Vater des in Deutschland lebenden Mirko (22) in Afrika neues Glück gefunden. Mit seiner ruandischen Freundin Melissa hat er einen vierjährigen Sohn. Robin spricht fließend Deutsch, Französisch und die Landessprache Kinyarwanda. Jeden Tag besucht er seinen Papa im Laden. „Ruanda ist für mich fast wie das Paradies“, sagt Roland Kastler zufrieden, nimmt einen großen Schluck Milch und verschwindet wieder in seinem Büro - denn auch im Paradies muss gearbeitet werden. (bf)

Quelle: HNA

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