Sammlung alter Schreibmaschinen: Vor 150 Jahren wurde erstmals getippt 

Damals ein Wunderwerk der modernen Technik: Ralf Groß pflegt das kleine Museum im Keller des Stenografenhauses. Besonders stolz ist er auf den Nachbau einer der ersten Schreibmaschinen, dem Wiener Modell des Erfinders Peter Mitterhofer. Lediglich der Rahmen auf der Oberseite, in den das Papier eingespannt wird, fehlt. Fotos: Pflug

Treysa. Einen ganz besonderen Schatz beherbergen die Regale des Museums historischer Schreibmaschinen in Treysa: Den Nachbau einer der ersten Schreibmaschinen.

Voller Stolz zeigt Ralf Groß, Vorsitzender des Stenografenvereins, das Wiener Modell von Peter Mitterhofer. Die Tastatur des Originals bediente ihr Erfinder vor 150 Jahren zum ersten Mal. Diese Tasten waren nicht etwa aus Metall, sondern aus Holz und statt aus Farbe entstanden die Buchstaben mit Hilfe von Nadeln.

Erfinder der Maschine war der Österreicher Peter Mitterhofer, der vor 150 Jahren zum ersten Mal in die Tasten seiner Erfindung haute. Warum Mittenhofer, eigentlich Tischler und Hobby-Musikant, gerade eine Schreibmaschine entwickelte, ist nicht überliefert. „Vielleicht hatte er eine schlechte Handschrift“, schlägt Vereinsmitglied Monika Suppkus schmunzelnd vor. Grundsätzlich scheint der Österreicher jedoch ein Tüftler und Bastler gewesen zu sein, auf dessen Konto auch selbstentworfene Musikinstrumente gehen.

Seiner Leidenschaft für Holz blieb Mittenhofer treu, lediglich der Typenhebelkorb und die Typen seiner Schreibmaschine sind aus Metall. Gut zu erkennen sind auch beim Treysaer Nachbau die Nadeln, mit denen die Buchstaben in das Papier gestanzt wurden. So konnten auch Blinde das Geschriebene lesen. Ein Ansatz, der viele der ersten Schreibmaschinen-Erfinder motivierte.

Mit Hilfe der Tastatur des Wiener Modells könnte wahrscheinlich sogar ein Mensch des digitalen Zeitalters einen Brief zustande bringen. Das war längst nicht bei jeder Schreibmaschine, oder „Apparat“, wie Groß die ersten Versuche nennt, der Fall. Denn bereits 1714 ließ der Engländer Henry Hill das erste Patent auf eine „Schreibmaschine“ anmelden. Ob diese jedoch je mehr als ein Entwurf war, ist nicht bekannt. Und auch in den folgenden 150 Jahren stößt man lediglich auf ein Netz von Vorerfindungen und Basteleien, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten. Erst allmählich, ab Mitte des 19. Jahrhunderts und mit Fortschreiten der Industrialisierung begann die Schreibmaschine ihren Siegeszug, erklärt Groß. Sie verdrängte teure Schreibstuben und eröffnete Frauen ein neues Betätigungsfeld.

Die erste Maschine, die in größerer Stückzahl gefertigt wurde, war die Schreibkugel des Dänen Rasmus Malling-Hansen. Auch so eine findet sich unter den etwa hundert Exponaten, die das kleine Museum in Treysa beherbergt, und von denen etwa 25 ausgestellt sind. Das Modell im Museum ist das, mit dem der Philosoph Friedrich Nietzsche schon 1882 den Satz „Das Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken“ geschrieben haben soll.

Von Michaela Pflug 

Kontakt: Ralf Groß, Reichenberger Straße 22, Tel. 0 66 91/9 11 68 68. Besichtigung mittwochs von 13 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung.

Quelle: HNA

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