Treysaerin erinnert sich an die Bombennacht von Dresden 1945: Reise zwischen Sterbenden

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Mutter und Tochter: Ein besonders enges Verhältnis hatte Eva Enke zeitlebens zu Töchterchen Astrid.

Treysa. Es war der letzte Zug aus Breslau, den Eva Enke mit ihren Töchtern im Februar 1945 besteigen konnte: Sie trug ihre Kleidung, einen Koffer und ein Neugeborenes, an der Hand hielt sie Astrid, damals gerade vier Jahre alt. 

Der Zug rollte geradewegs auf das brennende Dresden zu – über ihnen tobten Luftangriffe. „Wir haben nur überlebt, weil der Zug über Prag umgeleitet worden ist – aber wir kamen nicht eher aus der Stadt raus“, erzählt Astrid Schimmelpfennig (75).

Die Treysaerin erinnert sich noch genau an die Flucht aus Breslau.

Der Winter 1945 sei hart gewesen. Bis zu 50 Zentimeter Schnee waren gefallen, klirrende 20 Grad unter Null. „Ich kann mich noch gut an mein winziges Köfferchen erinnern, das ich beim Einsteigen trug“, sagt die Treysaerin. Gemeinsam mit der Mutter, einer Tante und ihren zwei Söhnen seien sie in den Gepäckwagen bugsiert worden – zwischen schwerverwundete und sterbende Soldaten. „Ich erinnere noch, dass ich ihnen feuchte Lappen auf Hände und Stirn gelegt habe“, berichtet Schimmelpfennig.

AstridSchimmelpfennig

Zusammengepfercht hätten sie dort zugebracht, kaum etwas zu Essen, kein Wasser bekommen. Der Zug stoppte, nachdem eine Fliegerbombe die Gleise getroffen habe. „Das war unser Glück. Tausende waren schon vor uns geflüchtet, Dresden war voll“, erklärt die pensionierte Lehrerin.

Irgendwann seien sie dann in Thüringen angekommen, zunächst in einem Lager untergebracht gewesen, später bei einer Verwandten untergekommen. „Meine Schwester habe ich nicht mehr. Sie ist kurz nach der Flucht gestorben.“

„Ich musste als Kind häufig um eine Scheibe Brot betteln.“

Astrid Schimmelpfennig

In Thüringen angekommen lebten Enkes – der Vater war noch in Kriegsgefangenschaft – in ziemlicher Armut. „Ich musste als Kind häufig um eine Scheibe Brot betteln“, erinnert sich die 75-Jährige. Die Kriegswirren hätten die Familie immer wieder in andere Orte gespült: „Es war ein ständiges Hin und Her – ich habe 13 Schulen besucht.“ Neuer Mittelpunkt wurde später Rheinland-Pfalz.

Quelle: HNA

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